Filmvorstellung

Serengeti

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2010: SERENGETI (Kinodokumentation, 100 Minuten)  Universum, Intervista, Studio Hamburg Doclights

Golden Panda, Peking, China
Best Sound, Jackson Hole, Wyoming, USA
Finalist Missoula, Montana, USA

Die neuen, hochauflösenden Videokameras bieten nicht nur gestochen scharfe Bilder für den TV-Schirm, sondern erlauben auch bis dahin nur mit extremem Aufwand zu erstellende Kinofilme. Für die alten 35mm Negative brauchte es riesige Objektive, um die im Tierfilm erforderlichen Abbildungsmaßstäbe zu erzielen. Da in Afrika meistens aus Geländewagen gedreht wird, kommt man da schnell an Grenzen des Machbaren. Dies mussten schon die Kameraleute, die Bernhard Grzimeks “Serengeti darf nicht sterben” in den Fünfzigern drehten, leidvoll erfahren. Alan Root montierte absurd lange Telekanonen auf einen kleinen, offenen Jeep, um wenigsten einige Nahaufnahmen zu bekommen. Erschwerend kam dazu, dass damals die Tiere noch nicht so sehr an Autos gewöhnt waren, wie heutzutage! Jedenfalls ergab sich vor etwa acht Jahren, als die neue Technik ausgereift genug erschien, ein Fenster der Möglichkeiten für ein filmisches Denkmal des wohl großartigsten Nationalparks der Welt. Die ersten Gespräche dazu begannen Ende 2006 und im Februar 2008 war ich endlich wieder in der Serengeti – mit dem Auftrag, eine Kinodokumentation zu erstellen.

Für das Fernsehen hatte ich so etwas ja schon einmal mit der dreiteiligen Reihe “Weltwunder Serengeti” gemacht und diesmal sollte alles natürlich viel besser werden. Vor allem hatte ich vor, konsequent nur pure Natur zu zeigen. Die Vermischung von rationalen Argumenten mit emotionalen Eindrücken kann dazu führen, dass beides nicht rüberkommt, weil man ständig hin- und hergerissen wird. Für das Kino schwebte mir also ein rein ästhetischer Genuss vor, der den Betrachter mit einem positiven Gefühl verklärt in den Alltag entlässt. Naturschutzfragen sollten diesmal separaten Veranstaltungen rund um den Film vorbehalten bleiben. Auf die Erfahrungen aus “Weltwunder Serengeti” konnte ich durchaus aufbauen, aber draußen ist kein Jahr wie das andere, nichts ist wirklich im Detail vorhersagbar und so wird es nicht überraschen, dass es ein ganz anderer Film wurde, als ich es nach den Erfahrungen aus den späten Neunzigern im Stillen erwartete. Im Großen und Ganzen ging die Rechnung aber auf. Nicht nur, weil die neue Technik bestechende Bilder lieferte: Endlich hatte ich wieder genügend Drehzeit. Das Kinoformat gab mir zudem ganz andere Ausdrucksmöglichkeiten als die bisherigen TV Dokus: Lange, nur von der Handlung getragene Bildpassagen wurden möglich, die nur noch ein Minimum an erklärenden Texten erforderten. Bildsprache und Schnittrhythmus ließen Zeit zum Schauen und selbst entdecken, und nicht zuletzt brachte der Soundtrack ein völlig neues Afrika-Erlebnis.


In sechs Drehabschnitten mit insgesamt etwa 10 Feldmonaten hatte ich genügend Zeit, auf die entscheidenden Minuten zu warten. Dabei fing das Projekt nicht gerade vielversprechend an. Verzögerungen beim Umbau meines Kamerawagens ließen mich im ersten Drehabschnitt die Wurfzeit der Gnus im Januar/Februar 2008 verpassen. Wenig Material war brauchbar, weil es dauerte, bis ich meinen Rhythmus fand. Beim zweiten Drehabschnitt waren die Gnus schon früher als üblich aus dem Westen des Parks abgewandert, so dass ich keine Interaktionen mit den Krokodilen am Grumeti Fluss bekam. Es waren nervenaufreibende Monate, bis Beharrlichkeit und Einsatz aller Beteiligten sich auszahlten.

In sechs Drehabschnitten mit insgesamt etwa 10 Feldmonaten hatte ich genügend Zeit, auf die entscheidenden Minuten zu warten. Dabei fing das Projekt nicht gerade vielversprechend an. Verzögerungen beim Umbau meines Kamerawagens ließen mich im ersten Drehabschnitt die Wurfzeit der Gnus im Januar/Februar 2008 verpassen. Wenig Material war brauchbar, weil es dauerte, bis ich meinen Rhythmus fand. Beim zweiten Drehabschnitt waren die Gnus schon früher als üblich aus dem Westen des Parks abgewandert, so dass ich keine Interaktionen mit den Krokodilen am Grumeti Fluss bekam. Es waren nervenaufreibende Monate, bis Beharrlichkeit und Einsatz aller Beteiligten sich auszahlten.


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Foto: Gabriele Mierke-Radke
Ansitzen aus Versteckzelten ist in afrikanischen Nationalparks eher die Ausnahme und wird von der Verwaltung auch nicht gerne gesehen. Hier versteht man warum. Doch an dem zerklüftetem Ufer des Grumeti bekommt man bestimmte Blickwinkel nicht aus Autos, so dass wir (Ivo Nörenberg, Oliver Goetzl und ich) hier wochenlang hinter Sichtschutzplanen oder in stickigen Versteckzelten ausharren mussten. Bei solchen Arbeiten ist es unabdingbar, immer einen Fluchtweg für Notfälle einzuplanen. In diesem Fall war ich dann doch abgeschnitten. Glücklicherweise sind Elefanten im allgemeinen sehr friedliche Tiere, wenn man sie nicht provoziert.

 


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Abgesoffen: Der Filmbalkon (auf der anderen Seite meines Wagens) erzeugte eine Bugwelle, die die eigentlich noch ausreichende Wattiefe des Landrovers überforderte. Wasser gelangte in den Ansaugstutzen des Motors – Totalschaden! Langwieriges Abschleppen bis nach Nairobi und teure Reparaturen mit den entsprechenden Zeitverlusten waren die Folge. Jedes größere Projekt in Afrika sollte mit einem gewissen “Sicherheitspuffer” kalkuliert werden.

 


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Zeitrafferansatz auf dem Gipfel des Ol Donyo Lengai Vulkans. Bei dieser Produktion hatte ich endlich Gelegenheit, mit Alan Root zusammenzuarbeiten – seit Jahrzehnten mein unerreichbares Vorbild als Kameramann und Geschichtenerzähler. Laut David Attenborough der Mann, der den Tierfilm quasi im Alleingang auf den heutigen Standard brachte. Alan, hier im reifen Alter von 72 Jahren, hat auch einen gewissen Ruf als forscher Pilot mit einer langen Liste rauer “Landungen”. Auch bei diesem Dreh, Anfang 2008, kamen wir mit seinem Hubschrauber einmal gerade noch rechtzeitig auf den Boden – eine Ölleitung war geplatzt.

 


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Mein Filmwagen ist auch für kurze Campingzeiten eingerichtet: Dachzelt, Wassertank, Kühlschrank und Gaskocher müssen neben der Filmausrüstung Platz finden. Das erlaubte mir, an abgelegenen Stellen bis in den späten Abend und vor Sonnenaufgang aktiv zu sein, was sonst bei den riesigen Entfernungen in der Serengeti aus den Hauptcamps heraus unmöglich gewesen wäre. Und nicht zuletzt bot mir das so manchen wunderbaren Sternenhimmel ohne jede Lichtverschmutzung – für die erforderlichen Zeitraffer und einfach nur zum Genießen.