Filmvorstellung

Die Schweine mit dem Elfenbein

Warzigenpaarung

1996: Die Schweine mit dem Elfenbein (ZDF, 42 Minuten)
1996: The Ivory Pigs (ZDF 50 Minuten)

Die ersten Aufnahmen von Warzenschweinen in Freilandhöhlen, soziale Organisation und Biologie des Warzenschweins, übernommen u.a. von BBC und Discovery

Ein Film über Warzenschweine? In der Primetime? Das Stirnrunzeln in der Redaktionsleitung war erwartbar und unübersehbar. Aber ich hatte mir mit “Marsabit” und meinen Kontakten zur BBC einen gewissen Vertrauensbonus erarbeitet, so ließ man mich halt gewähren. Als ich dann auch noch in der Kamerawerkstatt eine der damals hochmodernen Fingerkameras in eine wasserdichte Stahlhülle verpacken ließ und allerlei Sonderwünsche äußerte, bemerkte ich durchaus die Comic-Skizzen, die an der Wand hingen und warzige Schweine vor skuriller Technik zeigten. Aber es machte doch allen irgendwie Spaß, an so einem Projekt mitzuarbeiten. Dabei war das noch gar nichts im Vergleich zu den Tüffteleien, die Jeff Bell in England für diesen Film ausheckte: Ein gepanzertes, garantiert warzenschweinsicheres ferngesteuertes Gefährt für die Wohnstube der Warzigen. Ich nahm mir nichts anderes vor, als die Ergebnisse meiner Doktorarbeit zu verfilmen und dabei Dinge zu drehen, die ich selbst als Wissenschaftler nicht hatte sehen können. Und was soll ich sagen? Die lieben Tierchen gaben sich alle Mühe mich nicht in Stich zu lassen.

Der Film hatte in Deutschland über vier Millionen Zuschauer, es gab enthusiastische Kritiken (in der FAZ fast eine viertel Seite), die BBC änderte in letzter Minute ihr Sommerprogramm um den Film noch zu integrieren, und Discovery wurde endgültig auf die NATURZEIT aufmerksam. Nicht zu vergessen und für mich am wichtigsten: Ich hatte nun weitere Möglichkeiten als Kameramann und Autor zu arbeiten.

Handgepäck

 

 

Der Aufwand beim Filmen nahm in den Neunzigern schnell exponentiell mit dem Anspruch zu. Da ich im Feld immer in kleinen Teams arbeite (alleine oder mit einem, maximal zwei Assistenten) eine üble Plackerei. Dies war nur meine Ausrüstung, die technischen Spielzeuge von Jeff Bell (der bei diesem Dreh von seinem Bruder vertreten wurde) ergaben einen weiteren Berg an Kisten und Kartons. Inzwischen bin ich bei Drehreisen meist wieder mit einem Bruchteil von dem Zeugs unterwegs. Nicht nur weil ich keine Lust zu der Schlepperei habe! Aufwendige Technik kann mit dem Beobachten natürlichen Tierverhaltens kollidieren, denn man muss den Krempel ja schließlich auf- und abbauen, was kaum unbemerkt machbar ist. Man ist also mit der Technik an bestimmte Arbeitssituationen gebunden, was mir bei den Aufnahmen an den Höhlen nichts ausmachte. Um der Erlebniswelt der Tiere draußen zu folgen, braucht es aber viel Flexibilität und Mobilität, das Gegenteil von fest montierten raffinierten Vorrichtungen.

Minipanzer

 

 

Einer der vielen von Jeff Bell entworfenen und gebauten Kameraträger. Konstruiert wie ein kleiner Panzer sollte er auch etwaigen nervösen Reaktionen von Warzenschweinen in deren Höhlen widerstehen. Da wir nicht sicher waren, wie die Bildübertragung per Funk aus den Höhlen funktionieren würde, benutzten wir eine Kabelverbindung für die Bilder und die Steuerung. Aufgenommen wurde mit einer Video-Minikamera, für die Filmkamera wäre es trotz der kleinen Aufhellscheinwerfer zu dunkel gewesen. Die Schweine ignorierten das Gefährt völlig.