Über mich

Jahrgang 1948, aufgewachsen im Wirtschaftswunder, schien mir ein technisches Berufsleben vorgezeichnet. Nach meinem Abschluss als Elektroingenieur in Hamburg und einigen Semestern an der TU Berlin gönnte ich mir dann aber 1976 die Erfüllung eines meiner Lebensträume:


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Wie es begann und weiterging: Malaysia 1976 und Kongo 2011


Monatelang durch Südost-Asien zu ziehen, auf Vulkane zu klettern, durch Dschungel zu wandern und fremde Kulturen, die damals vom Tourismus kaum berührt waren, hautnah zu erleben. Per Fischerboot gelangte ich nach Komodo, um die legendären Komodowarane zu sehen – seit Kindheitstagen das Sinnbild eines Urzeitdrachens für mich. Die Reise war ein tiefer Einschnitt. Ich begann Biologie zu studieren, um mir meinen zweiten Lebenstraum zu erfüllen: Einmal in einem afrikanischen Wildpark als Verhaltensforscher zu arbeiten.

Filmarbeiten

Während meines Studiums bekam ich die Gelegenheit, wissenschaftliche Filmaufnahmen für das damalige Hochschulfilmreferat der FU Berlin zu machen. Dabei entwickelte sich eine Passion, die mich mein Leben lang nicht mehr los ließ. Bei meinen Feldstudien in Kenia nutzte ich eine 16 mm Kamera für Dokumentation und Analyse von Tierverhalten. Daraus entstanden Lehrfilme für das damalige Institut für den Wissenschaftlichen Film in Göttingen (einige Filme werden über die Technische Informationsbibliothek (TIB) in Hannover weiterhin für die Lehre angeboten). 1986 machte ich dann meinen ersten kleinen Fernsehfilm, auf den ich damals natürlich besonders stolz war: Meine Studienobjekte, die Warzenschweine, im deutschen Fernsehen!


Reinhard Radke - Nature Photography

Kaum zu fassen: Aufnahmen mit dieser Ausrüstung waren damals tatsächlich fernsehtauglich!


Meine Promotion ergab weitere Gelegenheiten in Afrika zu arbeiten und nach und nach verbesserte ich die Filmausrüstung, die ich nun immer bei mir hatte. Die uralte, handaufgezogene Federlaufwerk-Bolex wurde durch eine – nicht viel jüngere – batteriebetriebene ARRI ST ersetzt, die aber nun eine Filmkassettenlänge von knapp 11 Minuten zuließ (was einem damals üppig vorkam).


Reinhard Radke - Nature Photography

Unglaubliche 11 Minuten auf einer Filmkassette!


Noch immer betrachtete ich die Filmarbeiten in erster Linie als wissenschaftliche Dokumentation, und es gab weitere IWF-Filme. Daneben hatte ich aber bald auch Konzepte für TV-Filme im Kopf. Mein erstes längeres Fernsehwerk, der Dreißigminüter “Masai Mara – Tierparadies zwischen Naturschutz und Kommerz” war, wie der langatmige Titel schon androht, vollgestopft mit den Erfahrungen aus meinen Feldstudien in der Region. Wie die meisten Anfänger meinte ich zu jedem Problem Stellung nehmen zu müssen und das dann in die 30 Minuten zu quetschen. Immerhin, der Film gewann die Silberplakette des Tourist Boards in Sondrio, Italien. Damals gab es weltweit noch nicht einmal eine Handvoll Tierfilm-Festivals und solche Preise waren durchaus etwas Besonderes. Ich fühlte mich also entsprechend ermuntert und investierte in bessere Technik. Mit der neuen professionellen Ausrüstung und meinem Warzenschwein-Know-how empfahl mich der junge BBC Redakteur Alistair Fothergill, den ich aus meinem Studiengebiet in Masai Mara kannte, an seinen Kollegen Richard Brock. Heraus kamen zwei BBC Filme, für die ich die Kameraarbeit machte. In dieser sehr lehrreichen Zeit siedelte ich wieder um nach Kenia, diesmal mit der Familie. Wir hatten ein wunderbares Jahr und lebten mit unserem Sohn Nico, der damals fünf Jahre alt war, in einem großen Zelt im Samburu National Reservat. Von 1992 bis 2006 war ich als Redakteur im ZDF zuständig für Tierfilm-Auftragsproduktionen und die Kooperation mit internationalen Partnern. Eine meiner wichtigsten Aufgaben war es, deutsche Tierfilme auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig zu machen, was nach und nach mit der gerade gegründeten Vertriebsorganisation ZDF Enterprises auch gelang. Eigene Filme konnte ich in der Zeit natürlich nur noch sehr eingeschränkt produzieren, aber nach wie vor flog ich jedes Jahr für einige Monate nach Ostafrika, sei es um zu drehen oder Freunde zu treffen.


Reinhard Radke - Nature Photography

Mit schwerem Geschütz: Dreh für den Kinofilm SERENGETI


Nach langwierigen Vorbereitungen konnte ich mir 2008/2009 einen weiteren, lange gehegten Wunsch erfüllen: Eine Kinodokumentation über das Serengeti-Mara Ökosystem, in dem ich in den Jahrzehnten davor so viel Zeit verbracht hatte und das mir ans Herz gewachsen war. SERENGETI war nicht nur meine erste Kino-Doku, sondern auch mein erstes reines Video-Werk. Bis dahin hatte ich das bewährte alte Super16mm Filmmaterial bevorzugt. Nach Einführung der hochaufgelösten Videobilder konnte die Filmemulsion aber nicht mehr mithalten. Ich trauere noch immer den handlichen, robusten und idiotensicheren 16mm-Kameras nach, die alle gestalterischen Freiheiten ließen ohne den ganzen Wirrwarr aus Schaltern, Skalen und Menüs, nicht zu vergessen die thermischen und kontrastbedingten Grenzen. Man wird verstehen, dass ich bei den Dreharbeiten zur SERENGETI gerne dem jungen Kollegen Ivo Nörenberg den Vortritt ließ, als es darum ging, mit der damals neuesten, sündhaft teuren High-speed-Videotechnik die Zeitlupenaufnahmen zu drehen. Er hat das fantastisch gelöst, die Zeitlupensequenzen sind eine Augenweide; aber wir haben so manches Mal geflucht, wenn die Kamera uns wieder in Stich ließ!


Reinhard Radke - Nature Photography

Ivo Nörenberg mit High-speed-Ausrüstung beim SERENGETI-Dreh


Inzwischen habe ich notgedrungen meinen Frieden mit der Videotechnik gemacht und weiß durchaus die vielen Freiheiten zu schätzen, die sich mittlerweile dadurch beim Drehen ergeben. Wenn nur nicht die ständigen Formatumstellungen wären. Bei meinen letzten Produktionen waren wir beim Schnitt umgeben von Batterien verschiedener Zuspieler, die das über die Jahre angesammelte Material in acht (!) verschiedenen Formaten vorhielten.

Fotografie

Es wird nach dem oben Gesagten nicht überraschen, dass ich auch bei der digitalen Fotografie einer der letzten Umsteiger war. Seit ein paar Jahren genieße ich aber auch beim Fotografieren die digitalen Möglichkeiten. Eigentlich war das sogar eine völlig neue Motivation mich wieder auf meine medialen Wurzeln zu besinnen. Schließlich verdanke ich der Fotografie meine filmische Laufbahn. Als man 1979 einen Dummen suchte, der hinter einer 16mm Beaulieu seinen Kopf in ein Hornissennest stecken sollte, war ich erste Wahl, denn ich galt als “Makrofoto-Freak” unter meinen Studienkollegen.

Die neuen digitalen Freiheiten haben zu der oft beklagten Inflation geschossener Bilder geführt. Auch ich bekam Schwierigkeiten, in einem Ozean von Bildern den Überblick zu bewahren, und fand mich Stunden um Stunden vor dem Computer wieder, wenn es um Bildauswahlen für Artikel oder Bücher ging. Deshalb ist mein Bildmaterial nun in professionelle Datenbanken übertragen und mit Schlagwörtern versehen worden, so dass es von gewerblichen  Nutzern sekundenschnell aufgerufen werden kann.

Über meine Kontaktadresse ist jeder willkommen, der Fragen zur Natur Afrikas und deren Schutz oder zu technischen Aspekten meiner Arbeit hat. Ich werde mich bemühen, so zügig wie möglich zu antworten. Wenn es mal länger dauert, liegt das nicht nur an meiner mangelnden Netzaffinität. Ich treibe mich halt gerne in abgelegenen Gebieten rum, wo der Netzzugang selbst heute noch eingeschränkt sein kann. Also nicht gleich ungeduldig werden.