Aktuell

September/Oktober 2018: Matira Study Tour, Masai Mara, Kenia

In der letzten Septemberwoche fand die diesjährige Study Tour im bewährten Matira Camp statt. Gerd Schultheiß, der Bürgermeister von Nidderau, zu dem seit der Sonderaufführung meines SERENGETI Kinofilms in Nidderau eine gute Beziehung besteht, kam mit seiner Frau Kerstin zu einer “Intensiv-Tour”. Natürlich kann man in der Wildnis nie genau planen, was zu erwarten sein wird. So machten die Gnus uns zunächst leider einen Strich durch die Rechnung und verzogen sich in den Süden über die tansanische Grenze. Aber nicht zuletzt dank der guten Kenntnisse und Kontakte von Jonathan Tira, der uns als Guide fuhr, ergaben sich ungewöhnlich viele und ungewöhnlich spektakuläre Tierbeobachtungen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals in einer Woche soviel spannendes Verhalten erlebt zu haben!

 

Es begann damit, dass Saba, die Leopardin, die ich seit Monaten verfolge, in Östrus kam und von einem starken Kater begleitet wurde. Leopardenpaarungen sind sehr selten zu beobachten aber Saba tat uns den Gefallen und zeigte sich mit ihrem Galan in ihrer Flitterwoche ab und zu vor den Büschen des Orok Baches. (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

 

Gerd machte die Aufnahme seines Lebens, als eine Löwin urplötzlich unmittelbar neben unserem Wagen erschien und sofort das Paar angriff. Saba entkam um Haaresbreite! (Foto: Gerd Schultheiß)

 

Die Koalition der fünf Gepard Kater war natürlich auch bald wieder im Gelände und belegte spektakulär ihre Ruf als mittlerweile sehr erfahrene Jäger. Wir erlebten sie bei der Jagd auf Gnus – wobei sie sich nicht auf ein Beutetier einigen konnten, was dazu führte, dass zwei sich eine deftige Abfuhr holten, als sie ein adultes Gnuweibchen angriffen. Aber die anderen Drei erlegten souverän ein Kalb (umgeben von einer halben Hundertschaft von Autos). Am letzten Abend sah ich zum ersten Mal eine erfolgreiche Gepardjagd auf Zebras – die Fünf holten sich tatsächlich eine fast ausgewachsene Stute aus einem großen Pulk.

 

Die beiden Geparde, die sich für das erwachsene Gnu entschieden hatten, bekamen eine herbe Abfuhr: Zu zweit schafften sie es nicht, die wütende Gnu Kuh am Boden zu halten. Aber ihre drei Kollegen brachten nur wenige Meter weiter ein Kalb zur Strecke.

 

 

Beherzter Angriff: Die panische Stute schlug heftig aus, aber der Gepard schien nicht hart getroffen zu sein – zu fünft überwältigten sie das schwere Tier.

 

Zur großen Freude von Kerstin und Gerd kamen dann doch noch einige Gnu Herden aus Tansania in das Mara Gebiet. Am Lookout Hügel boten sich schon recht anschauliche Beispiele der berühmten Wanderung. Und prompt versuchten Hyänen daraus Profit zu schlagen. Ein Kalb entkam in letzter Sekunde, weil ein Zebra entschlossen die hetzende Hyäne angriff – ebenfalls eine sehr seltene Situation!

 

Ein malerischer Regenbogen über dem Lookout gab den Gnukolonnen das spezielle Afrikagefühl, das nur die weite Savanne vermitteln kann.

 

Es würde hier zu weit führen, alle Erlebnisse aufzuführen. Eines aber doch noch: Am letzten Tag bemerkte Jonathan eine angespannte Gepardin im hohen Gras. Er wusste, dass sie hier am Vortag ein Impala Kitz gerissen hatte und tatsächlich stand nicht weit entfernt eine besorgte Impala Mutter, offensichtlich noch immer auf der Suche nach ihrem Nachwuchs. Ihre Sorge wurde auch ihr zum Verhängnis. In dem hohen Gras kam die Gepardin näher und näher. Wir hielten einen weiten Abstand, denn es war bekannt, dass die Gepardin in der Nähe ihre Jungen versteckte und dringend Futter brauchte. Wir wollten also nicht stören. Tatsächlich griff sie nach fast einer Stunde an und die Antilope flüchtete ausgerechnet auf unseren Wagen zu.   Circa 20 Meter vor uns wurde ihr ein Termitenhügel zum Verhängnis. Sie unterschätzte die Höhe und verlor das Gleichgewicht – bei rund 70 – 80 Kilometer in der Stunde ein fataler Fehler.

 

Das Impala Weibchen hatte den kleinen Termitenhügel falsch ein geschätzt und verlor die Kontrolle. Den Überschlag verkraftete sie noch – aber die Katze war danach sofort über ihr. Wir bekamen die Fotoserie doppelt, mit Gabis 300er und meiner 560er Brennweite. Hier die weite Version. (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

 

Nach einer aufregenden Woche ein wohl verdientes Glas Wein zum Abschied! Kerstin und Gerd waren begeistert und sehr beeindruckt von Jonathans Pfadfinderkünsten (Foto: Jonathan Tira)

 

Nach der aufregenden Woche in der Mara zog es Gabi und mich an die eher beschaulichen Seen des Grabenbruchs, wo wir ein paar Tage Camping genossen.

 

Mai 2018: Vom Pazifik zum Amazonas Gebiet, Peru.

2003 hatte ich das große Vergnügen, einige Wochen mit André Bärtschi an meinem Hotspot-Film “Manu” zu arbeiten. André ist ein hervorragender Tierfotograf, ausgezeichnet mit dem renommierten “BBC Wildlife Photographer of the Year” Award, die höchste Auszeichnung, die es unter Naturfotografen zu gewinnen gibt! Ich war beeindruckt von seinem Fachwissen und seinen Landeskenntnissen und hoffte seit langem, einmal mit ihm rein fotografisch “auf Tour zu gehen”. Es hat viel länger gedauert als erwartet, aber in diesem Jahr haben wir es endlich geschafft und die Reise übertraf alle unsere Erwartungen.

 

André Bärtschi mit einer gefangenen “falschen” Korallenschlange, nachts im Amazonas Wald am Rio de las Piedras. Dass es sich hier um die harmlose Variante handelte, war aber erst nach dem Fang festzustellen!

 

Wir begannen unsere Tour an der Pazifikküste, wo der kalte Humboldt Strom riesige Fischschwärme mit Nahrung versorgt, die wiederum Millionen von Seevögeln ernähren. Auf schaukelkigen kleinen Booten mit den erforderlichen langen Teleobjektiven zu fotografieren war nicht ohne, aber die heutige Stabilisatortechnik ist verblüffend effizient.

 

Braunpelikane kommen an der Steilküste zum Rastplatz zurück. (Paracas Schutzgebiet)

 

Inka-Seeschwalben waschen sich nach der Jagd (Paracas Schutzgebiet)

 

Von der Küste ging es zu den unvermeidlichen Nasca Linien (sehr beeindruckend aus der Luft) und dann weiter in das Reservat Pampa Galeras im Andenhochland. Hier lockten uns vor allem die hübschen Vicunas, nahe Verwandte der Guanacos, die wir in Chile und Argentinien gesehen hatten. André hatte die Übernachtung in der Rangerstation des Reservats organisiert, weil es hier weit und breit keine Unterkünfte gibt. Das erwies sich als beindruckende Einführung in das Leben der Indios im Altiplano auf über 4000 Meter Höhe: Die Häuswer sind grundsätzlich ungeheizt, weil es hier oben so gut wie kein Holz gibt. Gegen die Kälte wappnet man sich mit vielen Schichten Kleidung und mächtigen Lagen von Decken. Wir hatten unsere federleichten Schlafsäcke dabei und ersparten uns die kiloschweren Decken…

 

Kämpfende Vicuna Hengste. Selbst bei wilder Verfolgung wirken die schlaksigen Tiere immer etwas behäbig, Kunststück, bei der dünnen Luft hier oben! (Pampa Galeras Schutzgebiet)

 

Junge Vicunas schauen den Bemühungen der Alten interessiert zu. Das flauschig weiche Fell hat den Vicunas nach langer Verfolgung inzwischen wohl doch das Überleben gesichert. Ihre Wolle ist begehrt, und wird mittlerweile wieder nachhaltig gewonnen. Auch Gabi brachte Capes aus der weichen Vicuna Wolle zurück nach Hause. (Pampa Galeras Schutzgebiet)

 

Nach meinen eher bescheidenen Bemühungen mit den Kondoren in Chile hatte André im Andengebiet einen besonderen fotografischen Leckerbissen: In der weiteren Umgebung von Andamarca gibt es unzugängliche Schlafplätze dieser riesigen Geier. Dort sind sie nachts sicher, aber zum Aufsteigen brauche sie die Aufwinde der gegenüberliegenden Felswand – und dort kann man sie dann mit etwas Glück und Reaktionsschnelligkeit aus wenigen Metern Entfernung beobachten. Umwerfend!

 

Kondor bei Andamarca.

 

Die alte Inka Hauptstadt Cusco liegt auf dem Weg ins Coshnipata Tal, wo ich 2003 die berühmten Fesenhähne gefilmt hatte. Natürlich wollte ich dort noch einmal zum Fotografieren hin, aber genauso gerne machten wir Station in Cusco. In einem weiten Tal auf rund 3500 Metern gelegen, ist man dort schon knapp bei Luft, und die Millionenmetropole hat den für Südamerika unvermeidlichen tobenden Verkehr. Aber André kennt die ruhigen Ecken und die besten Restaurants, so ließen wir uns gerne vom Charme dieser Stadt verzaubern.

 

Der zentrale Platz von Cusco. Die Spanier haben hier die Inkabauten niedergerissen und ihre religiösen Symbole auf den Fundamenten errichtet. Der Platz ist heute eine Oase der Beschaulichkeit im Meer der Großstadt, trotz aller touristischen Aktivitäten. Hier kann man sich zu einem Pisco sour niederlassen oder hochwertige Vicunawolle-Erzeugnisse erwerben.

 

Das Coshnipata Tal hat sich in den letzten 15 Jahren nur wenig verändert, noch immer schlängelt sich die unbefestigte Straße an den steilen Hängen entlang, noch immer sind die Bege vom dichtem Nebelwald bedeckt. Und noch immer gibt es hier Balzplätze des Felsenhahns, des Nationalvogels von Peru.

 

Von den Anden aus ist das Coshnipata Tal einer der Zugänge zum Amazonas Tiefland-Regenwald. Hier fallen besonders hohe Niederschläge und das Gebiet ist meist in Nebel gehüllt. Diese Wälder am Osthang der Anden sind die artenreichsten Lebensräume der Welt!

 

Die üppige Vegetation bietet ungezählte ökologische Nischen und das ständig wechselnde Bodenrelief erzeugt Hunderte von kleinen Lebensräumen mit jeweils sehr spezifischen Bedingungen, die zu extrem reicher Artenbildung führten.

 

Ein Männchen des Felsenhahns. Diese Vögel benutzen Jahr für Jahr immer die gleichen Balzstellen im Wald, so dass sie (halbwegs) vorhersagbar gefunden werden können.

 

Während der Felsenhahn also erwartungsgemäß gefunden wurde (es war keine Balzsaison, da ist es nicht ganz so leicht, die bunten Piepmätze aufzuspüren) sind die anderen Waldbewohner selten zu sehen. Da macht es schon viel aus, wenn einige Individuen sich an die Hotelanlagen gewöhnen und für den einen oder anderen kleine Happen aus der Küche vorbeischauen.

 

Eine Tayra, eine Verwandte unserer Wiesel und Marder. Normalerweise kaum je zu sehen, macht sie sich hier vorsichtig an die Happen heran, die für die Waldvögel ausgelegt wurden.

 

Auch ein Trupp Kapuziner Affen schaut alle paar Tage vorbei und “überfällt” dann schon mal ahnungslose Touristen beim Frühstück.

 

Unser eigentliches Ziel war aber eine Lodge beim Lago Soledad, weit jenseits der Provinzhauptstadt Puerto Maldonado. Sie liegt an einem Stillarm des Rio de las Piedras (“Steiniger Fluss”), in einem großen privaten Schutzgebiet. Dort ist (eigentlich) nur die Paranuss-Ernte erlaubt und es stehen tatsächlich noch einige Edelhölzer im Wald, der noch ein weitgehend natürlicher, artenreicher Primärwald ist. Leider wird der illegale Holzeinschlag in der abgelegenen Gegend nur mit geringem polizeilichem Aufwand kontrolliert. Aber für den Besucher – der natürlich nur per Boot anreisen kann – gibt es hier (fast) alles zu sehen, was der Amazonas so zu bieten hat.

 

Der “Lago Soledad” , eine “Cocha” wie man hier die Stillarme der Flüsse nennt. Diese Gewässer haben eine hohe Artenviefalt und man kann das ruhige Wasser geräuschlos mit Ruderflößen befahren.

 

Ein schwarzer Klammeraffe beobachtet uns vom Uferwald.

 

Mit André unternahm ich einige nächtliche Fotoexkursionen, die meist ergiebiger sind, als Tageswanderungen.  Hier droht eine Kammspinne gegen das Objektiv der Kamera. Diese Spinnen haben einen sehr schmerzhaften Biss und sie sind relativ aggresssiv. Als “Bananenspinnen” sind sie gefürchtet, weil sie oft mit den Obstbüscheln getragen werden.

 

Schwarzmantel-Scherenschnäbel beim Fischen auf dem Rio de las Piedras. Scherenschnäbel haben eine einzigartige Fischtechnik, bei der der Unterschnabel bei rasendem Flug ins Wasser getaucht wurd, um kleine Fische zu schnappen (Foto Gabriele Mierke-Radke)

 

Aus einem improvisierten Unterstand direkt am Ufer des Flusses konnten André und ich an einer Salzlecke (“Colpa”) auf Papageien ansitzen. Die Vögel benötigen die Mineralien zur Neutralisierung giftiger Pflanzenstoffe, die sie mit der Nahrung aufnehmen. Drei Tage saßen wir bei feucht brütender Hitze, und immerhin, für ca 90 Minuten hatten wir auch tatsächlich Papageien an dem Lehmufer. Die legendäre Artenvielfalt der tropischen Regenwälder wird oft so verstanden, als würde man ständig umgeben sein von Tiermassen. Das ist nicht so! Im Prinzip gibt es pro Flächeneinheit kaum mehr Individuen an Säugen oder Vögeln als in unseren Wäldern. Sie verteilen sich nur auf viel mehr Arten. Das heißt, man muss schon lange suchen oder warten, wenn es nicht gerade um Sichtungen von Insekten geht. Und selbst die waren nachts leichter zu finden, weil ihre Augen im Schein  der Kopflampen leuchten. Aber natürlich konnte André mir die eine oder andere biologische Kostbarkeit zeigen, – viel zu viel, um dies hier auch nur ansatzweise darzustellen. Schaut halt bei Gelegenheit mal in das Portfolio, da wird es demnächst einiges zu sehen geben.

 

Ansitz in einem Tarnversteck am Ufer des Rio de las Piedras. Drei Tage warteten wir hier auf Papageien an einer Salzlecke.

 

Etwa 90 Minuten lang hatten wir das Vergnügen, der lärmenden bunten Schar zuzuschauen. Das war mir das lange Warten allemal wert!

 

 

 

Januar und Februar 2018: Dreharbeiten in Masai Mara, Kenia

Die Servale hatten beim letzten Dreh noch Wünsche offengelassen. Sie mussten also nochmal ran. Bevor das Gras Mitte Januar nach ausgiebigen Schauern so richtig in die Höhe schoss, taten sie mir dann auch noch den Gefallen und zeigten ihre sprungfreudige Seite. Da die Schauer aber leider keinen saisonbedingten Ausreißer darstellten, sondern sich zu formidablen Güssen entwickelten (wir mussten zum ersten Mal überhaupt ein Zelt wegen Überflutungsgefahr hastig räumen) machte das wuchernde Gras in der Umgebung des Matira Camps dort weitere Arbeiten an den Servalen bald unmöglich. Was einen als Tierfilmer in der Mara aber nicht unbedingt arbeitslos macht! Zwar wurde es zum reinen Glücksspiel Servale überhaupt nur zu finden, aber die so oft beklagte Überweidung der nördlichen Bereiche des Mara Reservats hatte nun  auch positive Seiten – jedenfalls was die Kamerarbeit angeht. So folgten wir dort auf moderat kurzem Gras und zwischen den mittlerweile überall unübersehbaren tiefen Autospuren – die nun im Regen zu endlosen Schlammschlachten führten – der einen oder anderen (anders) gefleckten Katze. Meine Frau war wieder mit vor Ort, und es hat sich mittlerweile zu einer guten Routine entwickelt, dass sie die Fotos macht, während ich filme. Deshalb seht ihr hier nur Bilder von Gabi (ich hatte halt Anderes zu tun!).

 

Die Leopardin Saba wurde diesmal bald "Ersatzobjekt" für die unsichtbaren Servale und sie bot reichlich "Stoff"

Die Leopardin Saba wurde diesmal bald Ersatzobjekt für die unsichtbaren Servale und sie bot reichlich Stoff (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

 

Am Olare Orok, einem kleinen Flüsschen an der nördlichen Grenze des Reservats, schlug sich gerade Saba, eine fatalistisch Autos akzeptierende Leopardin, mit ihren drei Monate alten Jungen durch. Unfassbar, dass eine so scheue und heimliche Katze, wie eine Leopardin, zwischen lärmenden, Staub aufwirbelnden Auto, die ihr und ihren Jungen den Weg verlegten, zu jagen versucht. Sogar bei hellem Tageslicht!! Ich hatte beim Dreh keine Schwierigkeiten, bildstarke interessante Situationen vorzufinden: Dafür aber umso mehr Probleme, die Leopardin zwischen all den Autos im Blick zu halten…

 

Saba hat ein Warzenschwein-Ferkel gerissen und verschwindet sofort zwischen den Büschen. DFort kanönne ihr weder erzürnte Warzenschweinmütter noch neifgierifge Touristen folgen (auch keine Filmer).

Saba hat ein Warzenschwein-Ferkel gerissen und verschwindet sofort zwischen den Büschen. Dort können ihr weder erzürnte Warzenschweinmütter noch neugierige Touristen folgen – auch keine Filmer! (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

 

Saba mit ihrem neuen Wurf vom letzten Oktober

Saba mit ihrem neuen Wurf vom letzten Oktober (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

 

Wenn die Servale einen so im Stich lassen, kann man natürlich kaum anders, als der Geschichte der großen Gepard Koalition zu folgen. Es ist nun einmal eine einmalige, extrem ungewöhnliche Situation, fünf Gepard Kater beisammen zu haben, und sie bei ihren Aktivitäten zu beobachten. Also drehte ich mit ihnen ein paar weitere “Kapitel” und ihr werdet euch nicht langweilen, wenn ihr es mal auf dem Bildschirm seht. Versprochen!

 

Die Große Koalition hat eine Leierantilope gestellt und hat nun schwer zu tun, sie zu Boden zu bringen. Es berührt , Tiedre im brutalen, gewalttätigen Überlebenskampf so nah zu erleben. Man fühlt sich als voyeuristischer Dokumentarist nicht sehr wohl in seiner Haut. Wenigstens kann man sich daruf berufen, den Ablaugf der Dinge nicht beeinflusst zu haben.

Die Große Koalition hat eine Leierantilope gestellt und hat nun schwer zu tun, sie zu Boden zu bringen. Es berührt, Tiere im brutalen, gewalttätigen Überlebenskampf so nah zu erleben. Man fühlt sich als voyeuristischer Dokumentarist nicht sehr wohl in seiner Haut. Wenigstens kann man sich daruf berufen, den Ablauf der Dinge nicht beeinflusst zu haben. (Foto:Gabriele Mierke-Radke)

 

Die nächsten Räuber sind zwar auch gefleckt – man nennt sie eher “getüpfelt”- aber mit Katzen haben sie wenig zu tun. Tüpfelhyänen stehen als “Underdogs” schon lange auf meiner Liste und ich habe ihnen schon so manche Filmstunde gewidmet. Diesmal kamen wir nun endlich in die Situation, die ich schon seit vielen Jahren versuche darzustellen: Die raffinierte Jagd von Tüpfelhyänen auf Leierantilopen.

 

Eine sehr erzürnte Leierantilope hat den Spieß umgekehrt und jagt ihrerseits eine Hyäne . Se hatte guiten Grund wütend zu sein. In ihrer Flanlke klaffte eine handtellergroße Wunde...

Eine sehr erzürnte Leierantilope hat im Morgengrauen den Spieß umgedreht und jagt ihrerseits eine Hyäne. Sie hatte guten Grund wütend zu sein. In ihrer Flanke klaffte eine handtellergroße Wunde… (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

 

Hyänen haben gelernt, dass sie von den meisten Antilopen kaum wahrgenommen werden, wenn sie scheinbar ohne jede Jagdintention in der Tageshitze, mal eben so, völlig offen an ihnen vorbeispazieren. Bei Leierantilopen haben sie daraus eine tödliche Taktik entwickelt, die zunächst amüsant wirkt, aber eine grauenhaft effiziente, clevere Jagdmethode darstellt.

 

Hyäne schleicht sich an schlafende Leierantilope heran. Keien Antilope im Umkreis gibt einen Warnlaut ab, wie es sonst bei Löwen sofort der Fall wäre!

Hyäne schleicht sich an schlafende Leierantilope heran. Keine Antilope im Umkreis gibt einen Warnlaut ab, wie es sonst bei Löwen sofort der Fall wäre! (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

 

Der Angriff. Die Antilope döst noch immer und wird von einem schmerzhaften Biss in die Flanke geweckt.

Der Angriff. Die Antilope döst noch immer und wird von einem schmerzhaften Biss in die Flanke geweckt. (Foto:Gabriele Mierke-Radke)

 

In Sekundenbruchteilen geht es um Leben oder Tod. Die Antilope hat sich losgerissen und schaftt es, den Kiefern gerade so auszuweichen.

In Sekundenbruchteilen geht es um Leben oder Tod. Die Antilope hat sich losgerissen und schaftt es, den Kiefern gerade so auszuweichen. (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

 

Diese Leierantilope entkommt einem schrecklichen Tod. Die Bilder von erfolgreichen Jagden ersparen wir euch hier. Da werde ich noch lange beim Schnitt grübeln., wie ich euch das zumuten kann.

Diese Leierantilope entkommt einem schrecklichen Tod. Die Bilder von erfolgreichen Jagden ersparen ich euch hier. Da werde ich noch lange beim Schnitt grübeln, wie ich euch das zumuten kann. (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

 

 

September und Oktober 2017: Dreharbeiten in Masai Mara, Kenia

Im September treiben sich noch massenweise Gnu Herden in Masai Mara herum – und deshalb finden sich natürlich auch entsprechend viele Besucher ein. Eigentlich nicht meine liebste Reisezeit im Reservat. Aber es ist nun mal auch die Zeit, wenn ringsum das Leben tobt und sich viele Motive zum Filmen anbieten.

 

 

Im September tobt das Leben im Masai Mara Reservat

Im September tobt das Leben im Masai Mara Reservat

 

 

Nachdem der Dreh Juni/Juli wenig Material zu den Servalen ergeben hatte, hoffte ich vor allem auf bessere Sichtverhältnisse. Die relativ kleinen, hübschen Katzen waren im Grasozean nach der Regenzeit ja fast untergegangen und extrem schwierig zu finden gewesen. Nun hatten die Herden auch die südlichen Grasflächen kurzgemäht, aber dabei noch genügend Deckung für das eine oder andere Beutetier übrig gelassen.

 

 

Serval im Beutesprung. Die hübschen Katzen sind sehr reizvolle Motive, aber nicht einfach zu drehen - wenn man sie denn überhaupt erst einmal gefunden hat!

Serval im Beutesprung. Die hübschen Katzen sind sehr reizvolle Motive, aber nicht einfach zu drehen – wenn man sie denn überhaupt erst einmal gefunden hat!

 

 

Es kam also wie erwartet so manche Sequenz “in den Kasten”, die kurz nach der Regenzeit nicht gelungen war. Die erhofften Jungtiere, die eigentlich schon im letzten Juli erwartet wurden, zeigten sich aber leider auch diesmal nicht. Die wenigen Meldungen ließen sich nicht verifizieren. Es ist eben die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Allerdings sind Servale eingebunden in ein Netz vielfältiger Wechselbeziehungen kleiner Jäger und deren Abenteuer waren von vorneherein als Hintergrund der Servalgeschichte vorgesehen. Es gab also keinen Mangel an Motiven, zumal mich die gefleckten “großen Brüder und Schwestern” der Servale  – Geparde und Leoparden – ebenfalls schwer beschäftigten.

 

 

Servale gehören zu einer vielfältigen Gemeinwschaft kleiner Jäger, die sich untereinander Komkurrenz machen - und sich durchaus gegenseitig als Beute betrachten.

Servale gehören zu einer vielfältigen Gemeinschaft kleiner Jäger, die sich untereinander Konkurrenz machen – und sich durchaus gegenseitig als Beute betrachten! Hier hat ein Serval Männchen eine Zebramanguste erbeutet.

 

 

Die großen gefleckten "Brüder" hielten mich in Atem. Eine Koaltion von fünf Gepard Männchen streift seit einem Jahr durch die Mara und greift immer weider spektakulär auch große Beutetiere an (Foto: Antony Tira)

Die großen gefleckten “Brüder” hielten mich in Atem. Eine Koaltion von fünf Gepard Männchen streift seit einem Jahr durch die Mara und greift immer wieder spektakulär auch große Beutetiere an (Foto: Antony Tira)

 

 

Die im Juli befürchtete Futterknappheit für die Gnus war glücklicherweise nicht so ausgeprägt, weil es zwischendurch mehrmals ergiebig regnete und immer wieder frisches Gras nachwuchs. Eine gute Erinnerung daran, warum die Masai Mara für die Herden so lebenswichtig ist: Das Wettersystem des Viktoria Sees sorgt auch in der Trockenzeit für gelegentliche Schauer, die dann in der südlichen Serengeti eben nicht fallen. Das reduziert nicht die Gefahren, die von der illegalen Viehhaltung in der Mara ausgehen – sondern betont sie eher. Ohne die Wasser- und Futterreserven der Mara werden die Serengeti Herden nicht in den uns mittlerweile gewohnten Zahlen überleben. Es gab nach der Wahl (mal wieder) einen Stopp der Viehhaltung im Reservat. Hoffen wir, dieses Moratourium hält ausnahmsweise einmal länger, so dass die im Norden schwer geschädigte Grasnarbe sich von den Kuhmassen, die hier jede Nacht hereinströmten, erholen kann.

 

 

 

Die riesige Fläche des Viktoria Sees erzeugt ein eigenes Wettersystem., das unabhängig von den saisonalen Monsunwinden Regenschauer erzeugt. In diesem Herbst gab es reichlich Gewitter und jede Menge Regen.

Die riesige Fläche des Viktoria Sees erzeugt ein eigenes Wettersystem, das unabhängig von den saisonalen Monsunwinden Regenschauer erzeugt. In diesem Herbst gab es reichlich Gewitter und jede Menge Regen.

 

 

Abgesehen vom Segen für die Wanderherden, boten die Regengüsse diesmal reizvolle Filmmöglichkeiten. Antony Tiras Geländewagen bietet soviel Platz, dass ich die Kamera regengeschützt im Wagen auf einem Stativ aufbauen konnte. Dort hatte ich dann zwar nur einen kleinen Schwenkbereich, aber Antony schaffte es meistens, den Wagen trotz des morastigen Bodens rechtzeitig in die jeweils passende Position zu bringen, um mir tolle Bilder zu ermöglichen.

 

 

Endlich genügend Platz für einen Regenaufbau. In meinem Landrover musste soviel untergebracht werden, dass ich nie ein Stativ im Wagen aufbauen konnte.

Endlich genügend Platz für einen Regenaufbau. In meinem Landrover musste soviel untergebracht werden, dass ich nie ein Stativ im Wagen aufbauen konnte. (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

 

 

Eine riesige Wolkenwand zieht auf, höchste Zeit, die Kamera ins Trockene zu bringen. Doch diesmal musste ich nicht einpacken wenn es spannend wurde und konnte Geparde auch in schwerem Unwetter verfolgen.

Eine riesige Wolkenwand zieht auf, höchste Zeit, die Kamera ins Trockene zu bringen. Doch diesmal musste ich nicht einpacken wenn es spannend wurde und konnte Geparde auch in schwerem Unwetter verfolgen.

 

 

Hier warten die Beiden nur das Schlimmste ab, aber einige Geparde nutzten das Durcheinander eines heftigen Sturms zu spektakulären Jagden.

Hier warten die Beiden nur das Schlimmste ab, aber einige Geparde nutzten das Durcheinander heftiger Stürme zu spektakulären Jagden.

 

 

Diesmal hatten wir auch im Oktober eine Matira-Studytour. Die Gäste wurden nicht enttäuscht und hatten aufregende Beobachtungen von sehr aktiven Geparden, Löwen, Hyänen und Leoparden.

Diesmal hatten wir auch im Oktober eine Matira-Studytour. Die Gäste wurden nicht enttäuscht und hatten aufregende Beobachtungen von sehr aktiven Geparden, Löwen, Hyänen und Leoparden.

 

 

 

Mai/Juni 2017: Dreharbeiten in Masai Mara, Kenia

Ende Mai ist die Mara üblicherweise nach der Regenzeit wieder halbwegs befahrbar, so dass der Ansatz, Regenzeitimpressionen zu filmen ohne in tägliche Schlammschlachten verwickelt zu werden, Erfolgsaussichten hat. Allerdings hätte ich in diesem Jahr ohnehin nicht viele Schlammpassagen zu fürchten gehabt. Es hatte nämlich im April so gut wie gar nicht und im Mai nur wenige Wochen geregnet. In den südlichen und teilweise auch den zentralen Regionen des Schutzgebietes stand trotzdem das Rothafer-Gras, wie in den letzten Jahren üblich, meterhoch von Horizont zu Horizont. Da dieses Gras bei den meisten Antilopen und Gazellen unbeliebt ist, waren riesige Gebiete tierleer. Die nördlichen Reservatsflächen, die an die Masai Siedlungen grenzen, sind dagegen durch die noch immer anschwellenden Kuhmassen der Hirten kahlgegrast, mit teilweise schweren Erosionsschäden an der Grasnarbe. Auf den spärlichen Gebieten, die noch halbwegs genießbares Gras boten, drängten sich also Antilopen und Gazellen. Die Raubtiere der südlichen Masai Mara schlichen dagegen halbverhungert durch die Gegend (mehrere Löwen kamen in den nächsten Wochen um).  Es fällt einem dann schwer, in das einst schönste Reservat Afrikas zu kommen und die sonst eigentlich unvermeidliche Euphorie zu spüren.

Es gab natürlich immer noch viel zu sehen und ich hatte keine Schwierigkeiten, 7 Terrabyte an Videoaufnahmen mit nach Hause zu nehmen.

 

 

Abb. 1: Nebel über der Savanne.

Abb. 1: Nebel über der Savanne. Solche Stimmungen waren diesmal eher die Ausnahme, weil es in der diesjährigen großen Regenzeit wenig Niederschläge gab und das Land längst nicht so feucht war, wie es in dieser Jahreszeit zu erwarten gewesen wäre.

 

 

Abb. : Dreharbeiten mit Antony Tira vom Matira Camp.

Abb. 2: Dreharbeiten mit Antony Tira vom Matira Camp. Für mich eine neue Erfahrung: Das erste Filmprojekt, bei dem ich nicht selbst hinter dem Steuer saß. Antony fuhr den Geländewagen, so dass ich mich ganz auf meine Arbeit an der Kamera konzentrieren konnte. Außerdem hat er ein phänomenales Auge für ferne Tiere, die ich mal gerade im Fernglas mit Müh und Not erkennen konnte.

 

 

Viel Spaß bereiteten die Leierschwanzwidahs, die ich mit einer ferngesteuerten Kamera nun aus nächster Nähe bei ihren Balztänzen im Grasdschungel filmen konnte. Sie waren der Hauptgrund für die “frühe” Drehzeit. Servale, ebenfalls ganz oben auf der Drehliste, waren nun in den Hochgrasgebieten erwartungsgemäß schwierig zu finden (auf Kurzgras sind sie eher selten unterwegs) und wenn man sie einmal verfolgen konnte, gaben sie unter den Sichtverhältnissen nicht viel her. Es geht eben nicht immer so, wie man sich das wünscht.

 

 

Abb. 2: Leierschwanzwidah in seiner Balzarena.

Abb. 3: Leierschwanzwidah beim Balztanz in seiner Balzarena.

 

 

Glücklicherweise brachten noch ein paar späte Schauer etwas Graswachstum im Norden. Aber dieses Jahr wird schwer für die Gnus, denn es gibt deutlich weniger Futter als üblicherweise in der Zeit, wenn sie in der Mara sind. Ob es die späten Regenfälle waren  – oder die nördliche Serengeti ebenfalls sehr wenig Futter bot – sei dahin gestellt: Jedenfalls erreichten in diesem Jahr die ersten Gnukolonnen das Maragebiet so früh wie noch nie.

 

 

 

Abb. 3: Gnukolonnen überqueren den Sandriver aus Tansania nach Kenia. So früh wie in diesem Jahr sind Gnus noch nie in größeren Zahlen aus der Serengeti nach Kenia gekommen. Leierschwanzwidah in seiner Balzarena

Abb. 4: Gnukolonnen überqueren in der letzten Maiwoche den Sandriver aus Tansania nach Kenia. So früh wie in diesem Jahr sind Gnus noch nie in größeren Zahlen aus der Serengeti nach Kenia gekommen.

 

 

Abb. 4: Gnubrunft in der Mara.

Abb. 5: Gnubrunft in der Mara. Solche Schauspiele kann man normalerweise in der zentralen oder westlichen Serengeti bestaunen – diesmal fand die Paarungszeit zwar wie üblich im Juni statt, aber einige Herden waren schon weit im Norden des Mara Reservats (hier am Olare Orok nördlich vom Double Crossing)

 

 

In der letzten Maiwoche zogen Tausende Gnus über den Sandriver von Tansania in das Reservat und wanderten sofort weiter an Keekorok vorbei Richtung Talek. So begeistert die Reiseveranstalter auch sind (seit Anfang Juli crossen Gnus in spektakulären Gruppen den Mara), so besorgt sind Ökologen, wenn sie an die knappe Futterbasis denken, die den Gnus in diesem Jahr bleibt. Es wird interessant zu beobachten sein, wie die Herden auf diese Situation reagieren. Aber vielleicht helfen ja auch noch ein paar weitere Regenschauer. Schließlich ist die Mara Region wegen der Wettereinflüsse des Viktoria Sees nicht so strikt an die generelle Regenzeitrhythmik Ostafrikas gebunden. Was eben einen Großteil der Bedeutung des Mara Reservats für die Gnuwanderung ausmacht.

 

 

Abb. : Hyänen versuchen Büffelkalb anzugreifen und werden von der Mutter abgewehrt.

Abb. 6: Hyänen versuchen Büffelkalb anzugreifen und werden von der Mutter abgewehrt. Das Kalb war krank und langsam, so dass die Kuh nicht der Herde folgen konnte. Sie hatten keinen Chance gegen die Hyänen. (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

 

 

Abb. : Ungewöhnlicher Anblick:

Abb. 7: Ungewöhnlicher Anblick: Eine Koalition von 5 Geparden hat ein Weibchen gestellt und prüft, ob es paarungsbereit ist. Dabei gab es nicht nur Ohrfeigen von dem abgeneigten Weibchen, sondern auch die aufgeregten Männchen teilten untereinander kräftig aus, um sich der Angebeteten zu nähern.

 

 

Abb. : Die Matira Studientour fand diesmal mit mehr Medienunterstützung statt.

Abb. 8: Auch am Ende dieser Regenzeit gab es wieder eine Matira Studientour mit tagelangen Ausfahrten und spannenden Beobachtungen. Meine abendlichen Diskurse zum afrikanischen Tierleben fanden diesmal mit Medienunterstützung statt, wie man sieht.

 

 

 

 

März/April 2017: Auf der Suche nach dem Göttervogel – Costa Rica

Schon seit unserer ersten Costa Rica Reise 2007  reizte es mich, einmal dem prächtigen Quetzal nachzustellen, dem Göttervogel der Azteken und Mayas. Im Prinzip sind sie nicht so extrem schwierig zu finden, aber in den dichten Bergnebelwäldern, die sie bewohnen, sieht man meist nur für Sekunden einen fernen Schimmer ihres Prachtgefieders. Es sei denn, man kennt ihre bevorzugten Futterbäume (sie lieben die wilden kleinen Avocados) oder ihre Balzwarten – wenn sie denn balzen. Deshalb hatte ich mir den späten März als Reisedatum ausgesucht, denn zu der Zeit sollten sie “eigentlich” schon an ihren Bruthöhlen sein. Und damit auffindbar, jedenfalls im Prinzip.

 

Panorama-Aufnahme der Westflanke der Talamanca Kordilliere im zentralen Hochland von Costa Rica.

Panorama-Aufnahme der Westflanke der Talamanca Kordilliere im zentralen Hochland von Costa Rica.

 

In vollem Ornat: Ein Quetzal Männchen in einem Futterbaum, einer wilden Avocado.

In vollem Ornat: Ein Quetzal Männchen in einem Futterbaum, einer wilden Avocado.

 

Quetzal frisst wilde Avocado.

Quetzal frisst wilde Avocado.

 

Es war mit der Unterstützung erfahrener Guides denn auch nicht besonders komliziert, die bunten Vögel zu finden. Auf vielen Farmen in der Nähe des früher berüchtigten Todespasses, des Cerro de la Muerte, sieht man regelmäßig Quetzals, weil man dort bewusst die Futterbäume beim Roden stehen ließ oder sogar neue anpflanzte. In der nasskalten Umgebung strahlen die metallischen Federn sogar ohne Sonne. Leider gab es ein Problem: In diesem Jahr begannen sie mehrere Wochen später mit Balz und Brut, weil sich die Regenfälle weit in die Trockenzeit zum Jahreswechsel hineinzogen. Damit war meine schöne Planung obsolet. Keine Chance, irgendwo an einen Brutbaum zu gelangen, um Verhalten zu beobachten oder die gewünschten Flugaufnahmen zu bekommen.

 

Nebelwald am Cerro de la Muerte. Ein sehr artenreicher Wald, die Täler am Rio Savegre sind ein Mekka für Vogelfreunde.

Nebelwald am Cerro de la Muerte. Ein sehr artenreicher Wald, die Täler am Rio Savegre sind ein Mekka für Vogelfreunde.

 

Dafür gibt es in den Wäldern am Cerro de la Muerte (und in den Gartenanlagen der Hotels!) aber jede Menge andere Fotobeute, so dass die Artenzahl meines Fotoarchivs in den nächsten Wochen beträchtlich zunahm!

 

Auch wenn der Stabilisator des 200-400mm Zooms unter unglaublichen Lichtbedingungen noch Fotos aus der Hand ermöglicht, kommt bei ornithologischen Bildern leider um Stativschlepperei nicht hzeru,m (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

Auch wenn der Stabilisator des 200-400mm Zooms unter unglaublichen Lichtbedingungen noch Fotos aus der Hand ermöglicht, kommt man bei ornithologischen Motiven leider um Stativschlepperei nicht herum (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

 

 

Wie gemalt: Ein Goldbrauenorganist bedient sich an den Früchten einer Cavendishia

Wie gemalt: Ein Goldbrauenorganist bedient sich an den Früchten einer Cavendishia

 

 

Neugieriger Violettkron-Brillantkolibr (auch Dickschnabelkolibri). Man wusste manchmal nicht, wohin man zuerst schauen sollte.

Neugieriger Violettkron-Brillantkolibri (auch Dickschnabelkolibri). Man wusste manchmal nicht, wohin man zuerst schauen sollte.

 

Kleiner Veilchenohrkolibri am Cerro de la Muerte auf 2600 m, Costa Rica

Kleiner Veilchenohrkolibri an bekannter Gartenpflanze. Durch geschickt angelegte Bepflanzung findet man eine Unmenge von Vögeln oft in Schrittweite von den Unterkünften.

 

 

Schlichtdrossel. Bezeichnend für das symphatisch freundliche Land ist dies der Nationalvogel Costa Ricas!

Schlichtdrossel. Bezeichnend für das symphatisch freundliche Land: Dieser unscheinbare Piepmatz ist der Nationalvogel Costa Ricas!

 

Trotz aller Begeisterung über die Vogelscharen, war der verschobene Brutbeginn der Quetzals natürlich eine herbe Enttäuschung. Und leider blieb es nicht dabei: Eine entzündete Zahnwurzel führte dann auch noch zum vorzeitigen Abbruch der Reise – man kann eben nicht immer alles haben!

 

 

 

November/Dezember 2016: Vom Kühlschrank in den Backofen – Sambia

Zugegebenermaßen hätten wir gegen eine kleine Pause nach der Rückkehr aus Norwegen nichts einzuwenden gehabt, aber es gab gute Gründe, mit unserer lange geplanten Reise nach Sambia keine Zeit zu verlieren. Sambia kenne ich nur von einem Kurzbesuch, der schon mehr als ein Jahrzehnt zurückliegt. Und da blieben die meisten Regionen, die micht interessieren, ausgespart.

 

Miombowald

Miombowald bedeckt fast 80% Sambias. In den trockeneren Regionen ist er laubabwerfend, was vertraute Herbststimmungen erzeugt!

 

Puku

Puku Im Miombowald. Diese Wälder haben wenig Unterholz und sind relativ licht. Früher beherbergten sie eine vielfältige Tierwelt.

 

Kasanka Nationalpark

Der Kasanka Nationalpark im Nordosten des Landes liegt nahe an der Grenze zum Kongo, die ausgedehnten Benguela-Sümpfe sind ebenfalls nicht fern. Zwischen den Miombodickichten liegen Schwemmlandflächen, die morgens oft in dichten Nebel  gehüllt sind.

 

Vor allem gibt es aber zwei Gründe, gerade Ende November nach Sambia zu fahren: Dann versammelt sich dort die wohl weltgrößte Masse an Säugetieren – an die 10 Millionen Palmenflughunde ziehen zum Beginn des Südfrühlings aus den Wäldern des Kongo (und aller möglichen Gegenden in Afrika, genau weiß das kein Mensch) in eine sumpfige Region im Nordosten Sambias.

 

Palmenflughund

Palmenflughund: Mit fast 80 cm Flügelspannweite und 250 bis 350 Gramm gehören diese besonders häufigen Flughunde zu den großen Fledertieren. Sie ernähren sich von Obst und sind weit in Afrika verbreitet.

 

Flughunde werden tagsüber aufgescheucht

In Kasanka nutzen die Palmenflughunde für rund zwei Monate ein kleines Waldstück als Tagesrastplatz. Manchmal werden sie tagsüber von Greifen aufgescheucht.

 

Dort versammmeln sie sich im Kasanka Nationalpark auf einem lächerlich kleinen Rastplatz von wenigen Hektar, um 60 bis 80 Tage die Fruchtbäume der Region leer zu fressen. Keiner weiß so recht, seit wann sie das tun und mit Sicherheit werden sie das nicht beliebig viele Jahre durchhalten.  Die Obstfresser sind mit 80 cm Spannweite und rund 300 Gramm Gewicht nicht gerade klein. Sollten es tatsächlich 10 Millionen Individuen sein (das ist natürlich nur eine Schätzung) lassen sich da wochenlang jeden Tag etwa 3000 Tonnen zappeliger Tiere in den Bäumen nieder – auf der Fläche einiger Fußballfelder. Das hält keine Vegetation auf Dauer aus, selbst wenn der kleine Wald sich dann jeweils wieder für 10 Monate erholen kann. Vermutlich wechseln die Flughunde diese Raststellen alle paar Jahre/Jahrzehnte immer wieder mal, denn es gibt keinen besonderen Grund, gerade diese Stelle auszuwählen – das Futter finden sie ist oft viele Dutzend Kilometer entfernt. Und Palmenflughunde gehören zu den besonders weit verbreiteten Flattertieren Afrikas.

 

Palmenflughunde über ihrem Tagesrastplatz

Die Palmenflughunde haben ihre Rastbäume schon arg strapaziert.

 

Flughunde beginnen Rastplatz zu verlassen

Zum Sonnenuntergang beginnt das große Schauspiel: Die Flughunde verlassen ihre Rastplätze

 

Die Bäume im Kasanka Park sind vermutlich deshalb so begehrte Tagesplätze, weil sie in einer leicht sumpfigen Senke mit schier undurchdringlichem Unterholz liegen. Störungen sind vom Boden aus also eher selten zu erwarten und das ist entscheidend, denn eine derartige Masse an Tieren lockt selbstverständlich Fleischfresser an. In Kasanka sind das meist Greifvögel, dazu sitzen täglich einige Geier in der Kolonie, denn gestorben wird bei so vielen Tieren täglich. Die Unzugänglichkeit macht das Fotografieren leider nicht gerade einfacher, zumal die Parkverwaltung darauf achtet, die Störungen an den Rastbäumen möglichst gering zu halten. Die Fledertiere sind schließlich die Hauptattraktion des abgelegenen Parks und die will man noch ein paar Jahre ausschöpfen. Man sieht die Tiere also meist aus größerer Entfernung, oder wenn sie bei den gelegentlichen Störungen tagsüber über einem kreisen. Trotzdem: Das abendliche Spektakel des Massenaufbruchs gehört zu den eindrücklichsten Anblicken, die Afrika mir bisher geboten hat!

 

Flughunde brechen auf

Flughunde brechen auf

 

Flughunde brechen abends zu ihren Futterplätzen auf

Flughunde abends. Das Spektakel dauert nur wenige Minuten, dann sind die Massen in den umliegenden Wäldern verschwunden.

 

Der zweite Grund, nach dem Norwegen-Trip keine Zeit zu verlieren, sind die Kolonien der Karminspinte im South Luangwa Nationalpark. Diese Bienenfresser beginnen schon im August mit der Balz und dem Nestbau. Mitte Dezember sind die meisten Jungen flügge. Wir schafften es also gerade noch rechtzeitig. Diese Spinte (es ist der “Südliche Karminspint”, bei dem die Kehle ebenfalls karmesinrot ist, im Gegensatz zu der nördlichen Art, bei der die Kehle blau leuchtet) kommen Anfang August als Zugvögel zum Brüten und bilden schnell mehrere Kolonien Tausender Vögel: Ein weiteres Naturschauspiel, das ich “schon immer mal” sehen wollte.

 

Karmesinspint mit Beute

Karminspint (auch Scharlachspint genannt) mit Beute. Diese Bienenfresser nehmen beileibe nicht nur Bienen!

 

Spinte vor Brutwand

Spinte vor Brutwand am Luangwa Fluss im South Luangwa Nationalpark. Die Bruthöhlen werden jedes Jahr neu angelegt, weil der Uferverlauf sich ständig ändert.

 

Die Gegend ist für die Vögel so attrakttiv, weil es hier reichlich Insekten und dazu perfekte Brutstellen gibt. Nämlich die fast senkrechten, mehrere Meter hohen lehmigen Uferwände des Luangwa Flusses, der sich hier Jahr für Jahr durch das relativ weiche Sediment frisst. Dabei ändert der Fluss ständig seine Richtung, unterspült die Ufer, schnürt Stillarme ab und schafft damit immer wieder neue Lagunen, die nach und nach versumpfen. Für Menschen nicht gerade ein Paradies, zumal es im südlichen Sommer extrem heiß wird. In diesem Jahr, mit dem el-nino-Einfluss, war es sogar in der eigentlich kühlen Zeit regelmäßig um die 40 Grad warm.

 

Karmesinspinte

Karminspinte auf Sitzwarte. Bevor sie zu ihren Bruthöhlen fliegen, pausieren sie oft mit der Beute um den passenden Futterrhythmus des Jungen einzuhalten.

 

Spint fliegt Brutröhre an

Spint fliegt Brutröhre mit Futter an. Andere warten mit der Fütterung.

 

Anfliegender Spint

Anfliegender Spint.

 

Für die Tierwelt ist das aber eine sehr ressourcenreiche Umgebung, die noch den Vorteil hat, wenige Menschen anzuziehen. Die Spinte müssen zwar in jedem Jahr neue Brutröhren in die Uferwände graben, weil die Vorjahreshöhlen mit den alten Uferwände längst unterspült und eingestürzt sind, aber dafür haben sie dann perfekte Brutbedingungen. Für uns boten sie wiederum wunderbare Fotomöglichkeiten und die tagelangen Beobachtungen verschiedener Kolonien brachten interessante Einblicke. Auch hier locken so viele potenzielle Beutetiere natürlich Raubfeide an: Es war sehr spannend zu beobachten, wie die farbenprächtigen Vögel sich damit auseinandersetzen.

 

Spinte bei Waran an Brutwand

Spinte haben einen Nilwaran an der Brutwand entdeckt und attackieren ihn, um ihn  von den Höhlen fernzuhalten.

 

Spint greift Waran an

Spint greift Waran an. Die Echsen lassen sich davon wenig stören. Meist versuchen sie nur, ihre Augen zu verbergen, indem sie sich abwenden. Trotzdem verlieren sie bei solchen Attacken gelegentlich das Gleichgewicht und  rutschen die Wand hinunter.

 

Waran nimmt Beutereste

Die Warane nehmen alles, was Eiweiß bietet, auch Aas und Futterreste wie hier. Sie säubern damit die Kolonie, was durchaus im Interesse der Spinte ist. Hier wird eine große Zikade, die von dem Jungvogel nicht gefressen wurde, aus einem Tunneleingang genommen.

 

Waran mit Jungvogel

Die Höhlen sind oft fast 2 Meter tief und zu eng für die Warane. Trotzdem graben sie sich manchmal voran und erbeuten Jungvögel, wie hier. Möglicherweise war der Vogel krank oder  bereits tot, als er gepackt wurde.

 

Jungvogel

Jungvogel wartet auf die nächste Fütterung. Wenn sie sich so weit heraus trauen sind sie schon fast flügge.

 

Altvögel locken

Viele fast flügge Junge warten auf Futter, aber die Altvögel wollen sie nun aus den Höhlen locken und bieten an den Röhren  nichts mehr zu fressen an. Schließlich wagen die Jungen den Sprung ins Leben, was durchaus nicht ungefährlich sein kann (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

 

 

Milan im Sturzflug

Ein Gelbschnabeliger Schwarzmilan hat auf diesen Zeitpunkt gewartet und setzt zu wilden Flugmanövern an, um die unsicheren Jungvögel zu jagen.

 

Milan an Brutwand

Die Altvögel flüchten sofort, aber noch ungeübte Junge werden von dem Milan manchmal an der Brutwand in die Enge getrieben und erbeutet.

 

Milan verfolgt Jungvogel

Einige Jungvögel werden minutenlang in wilden Luftkämpfen verfolgt. Sie werden täglich flinker und geschickter. Diesmal hatte der Milan keinen Erfolg.

 

South Luangwa hatte zu der Zeit aber noch mehr zu bieten: Ein großes Rudel Afrikanischer Wildhunde hielt sich gerade in der für Touristen erschlossenen Region am Luangwa Ufer auf (der Park ist so groß, und die Vegetation meist so dicht, dass nur ein winziger Bruchteil der über 9000 Quadratkilometer durch Pisten für Touristen erschlossen worden ist).

 

Wildhunde im Mopane Wald

Afrikanische Wildhunde im Mopanewald. Die Lagunen und Schwemmflächen in der Nähe des Luangwa sind trocken und wir hatten wenigsten geringe Chancen, den Hunden in diesem Gelände zu folgen.

 

Wildhund

Rastende Wildhunde. Die Tageshitze verbringt das Rudel im Schatten.

 

Das Rudel hatte dort bis vor wenigen Wochen mit seinen Jungtieren eine Höhle benutzt. Nun sind die Jungen soweit, den Alttieren zu folgen, so dass die Hunde in dem dichten Mopane- und Miombowald nicht einfach zu finden sind. Sie sind aber in der Region und werden immer mal wieder gesichtet. Wir hielten also Augen und Ohren auf und hatten tatsächlich an zwei Tagen das Glück, einige Stunden mit ihnen verbringen zu können. Insgesamt waren es 24 Tiere, sechs Welpen, mehrere Halbstarke und einige Veteranen. Nur das dominante Paar zieht Junge auf, die von allen Rudelmitgliedern versorgt werden.

 

Futterbetteln

Futterbetteln und ständige Rangeleien zwischen den subdominanten Tieren erzeugen eine quirlige, aufgeregte Atmosphäre. Auch adulte Tiere fallen rituell in kindliches Verhalten, um zu beschwichtigen oder Koaltionen zu bilden (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

 

Lauernde Wildhunde

Die dominanten Tiere sind erkennbar an Radiohalsbändern, die ihnen als Kerntiere des Rudels von Wissenschaftlern angelegt wurden.  Hier haben sie potenzielle Beute entdeckt und machen sich bereit zur Jagd.

 

Wildhunde belauern Impalas

In dem unübersichtlichen Gelände kommen sie leicht an Antilopen heran, die in Ufernähe relativ zahlreich sind. Der Impala-Bock im Hintergrund hat sie entdeckt und flüchtet rechtzeitig. Bei dieser Jagd wurden zwei Tiere getötet.

 

Hetzender Wildhund

Hetzende Wildhunde laufen nicht besonders schnell, zwischen 50 und 60 km/h, doch sie sind sehr ausdauernd und ergänzen sich im Rudel mit ihren Laufwegen.

 

Wenn man die Jagden von Geparden und Löwen erlebt hat, die oft fehlschlagen, erschauert man bei der Effektivität der Hetzjäger: Fast jede Jagd endete mit einem Riss, wobei den Hunden das sehr unübersichtliche Gelände entgegen kam. Sie kamen ohne Probleme in Angriffsreichweite und wenn 10 Hunde sich gegenseitig ergänzend und ablösend Pukus und Impalas aufscheuchen, kommen sie ziemlich sicher zum Erfolg. An dem einen Tag, den wir fast vollständig mit ihnen verbringen konnten, hatten sie mindestens vier Risse!  Nicht unbedingt ein schöner Anblick, aber bei so vielen Angreifern waren die Opfer in weniger als einer Minute tot – also meist in kürzerer Zeit als bei den Attacken der großen Raubkatzen.

 

Wildhunde am Riss

Bei dem Angriff auf die Impalas wurde zufällig dieses Puku zwischen den Büschen aufgescheucht und erlegt. Wildhunde haben eine sehr hohe Erfolgsrate bei ihren Jagden.

 

Fressendes Rudel

Fressende  Wildhunde bilden ein tumultartiges wildes Durcheinander, das die Beute in wenigen Minuten komplett bis auf die größeren Knochen vertilgt. Es wirkt blutig und grausig und hat die Hunde in Afrika weithin verhassst gemacht. Viele Kolonialbeamte sahen es als Aufgabe an, sie als “Pest” zu eliminieren (Foto: Gabriele Mierke-Radke).

 

Wenn man in Sambia ist, kann man eigentlich nicht an einem anderen großen Naturwunder vorbei: Den Viktoriafällen. Hier mussten wir allerdings Abstriche machen. Die Flughunde und die Spinte hatten uns die Zeit vorgegeben, und die war nicht unbedingt die beste für eine Tour zu den Fällen. Jetzt, gegen Ende der Trockenzeit, führt der Sambesi nur sehr wenig Wasser, so dass der größte Teil der Fälle trocken liegt. Wir machten das Beste daraus, und im Gegensatz zu den (größeren!) Iguazú  Fällen, die uns mit dem dichten Sprühnebel bei Hochwasser oft die Sicht nahmen, hatten wir hier einen klaren Überblick über die dramatischen Schluchten, die durch die früheren Verläufe der Fälle gebildet wurden.

 

Viktoriafälle

Viktoriafälle Anfang Dezember, gesehen aus Simbabwe. Nur der westliche Teil – der “main fall” – führt in dieser Zeit noch Wasser. Der östliche, sambische Teil, im Bild oben rechts, ist dann völlig trocken.

 

Alte Fallkanten

Ohne Gischtnebel kann man dafür die Gesamtansicht des Falls klar erkennen. Die Schluchten rechts sind alte “fossile” Fallkanten, die der Sambesi in den letzten zwei Millionen Jahren aus dem Basalt gewaschen hat.

 

 

November 2016: Jenseits des Polarkreises in Norwegens Fjorden

Frank Wirth hatte mich bei unserer Patagonien Tour im Frühjahr mit Orcas infiziert! Was blieb mir also übrig als im November nach Norwegen aufzubrechen? Gabi, halb von Orcas, halb vom Polarlicht gelockt, blieb dabei natürlich nicht zu Hause. Seit einigen Jahren haben sich die Heringsbestände im Nordatlantik erholt, die reduzierten EU-Fangquoten machen sich erfreulich bemerkbar. Nun ziehen wieder die früher so berühmten Heringsschwärme im Winter in die nördlichen Fjorde um dort abzulaichen. Und ihnen folgen, wie früher, wieder massenhaft Wale um diese unwiederstehliche Nahrung abzuschöpfen. Zunächst in kleine Gruppen, seit den letzten beiden Jahren mittlerweile aber zu Tausenden kommen Schwertwale und Buckelwale zum großen Fressen. Unsere Anreise gestaltete sich fast schwieriger als nach Afrika, aber irgendwann ist man in Tromsoe, der größten Stadt im Norden Norwegens, rund 400 Kilometer nördlich des Polarkreises. Der Anblick der glitzernden Stadt aus dem Flieger ist umwerfend, wenn man das Panorama aber von den umliegenden Bergen fotografieren will, sollte man sich sehr sehr warm anziehen…!

 

Tromsoe in der langen Dämmerung des Nordens

Tromsoe in der langen Dämmerung des Nordens – ein funkelndes Juwel

 

In Kvalöyvägen, einem winzigen Nest an einem der vielen Fjorde um Tromsoe bezogen wir in der Maribell-Anlage Quartier. Rustikal gemütlich und sauber, die perfekte Basis für die Ausflüge in winzigen offenen Aluminumbooten. Solange das Licht reicht – ungefähr vier bis sechs Stunden – dick eingepackt in Schutzanzügen bei eisigem Wind und Spritzwasser mit oft kabbeligem Seegang. Nicht das reine Vergnügen, aber wenn die action losgeht, vergisst man die Kälte schnell!

 

Umringt von Schwertwalen vergisst man die Kälte in den winzigen Booten schnell.

Umringt von Schwertwalen vergisst man die Kälte in den winzigen Booten schnell.

 

 

Orcas im typischen Licht des Nordens vor der Fjordlangschaft

Orcas im typischen Licht des Nordens vor der Fjordlandschaft bei Kvalöyvägen

 

 

Orca mit Hering

Orca mit Hering, wenn auch nur einem winzigen Bissen. Der Fisch entkam und der Orca nahm ihn vermutlich nicht mal wahr. Aber das Wasser war voll mit Heringsschwärmen, die in den Tagen gerade begannen, in die Fjorde hinein zu ziehen.

 

 

Fressender Buckelwal

Fressender Buckelwal: Die Tiere kommen oft fast senkrecht an die Oberfläche, um mit weit geöffnetem Maul eine Ladung Hering mit dem Wasser aufzunehmen. Das Wasser wird dann zwischen den Barten herausgedrückt.

 

 

Buckelwal mit Heringen

Buckelwal mit herumfliegenden Heringen beim Auspressen des Wassers. Dieser Wal kam direkt neben unserem Boot hoch und war dabei eher flach ausgerichtet – ein grandioses Spektakel!

 

 

Buckelwale

Buckelwale beim Fressen – man wusste manchmal nicht, wohin man zuerst schauen sollte!

 

Natürlich kamen wir um eine satte Erkältung dann doch nicht herum, – die war es uns aber allemal wert. Zumal die erhofften Nordlichter – die ersten die wir je sahen – sich dann tatsächlich schon in der zweiten Nacht einstellten.

 

Nordlicht über

Nordlicht über Kvalöyvägen

 

 

 

September/Oktober 2016: Besuch bei alten Freunden in Kenia

Bei unseren letzten Besuchen  rasten wir immer durch Nairobi, so dass wir kaum Zeit fanden, uns mit Freunden zusammenzusetzen. Diesmal nahmen wir uns mehr Zeit und hatten einen wunderbaren Abend mit Diana und Chris Handschuh von der Jungle Junction, wo wir immer übernachten, wenn wir in Nairobi sind. Auch den alten Kumpel Atif Chugthai konnten wir endlich mal wieder sehen. Vor allem freuten wir uns natürlich, wieder ein paar Tage in der Mara verbringen zu können und dabei Monika Braun und Antony Tira mit ihrer Crew vom Matira Camp zu treffen. Für ein paar Tage hatten wir sogar eine richtig familiäre Atmosphäre, bis das Camp dann bald wieder ausgelastet war. Es war wieder eine große Freude, mit Antony und Jonathan auf Pirschfahrt zu gehen. Und nach all den Jahren lernte ich mal wieder etwas über Geparde dazu. Jungtiere von 2,5 Monaten(!) beherrschten schon weitgehend die Abläufe der Jagd und gingen dabei sehr rabiat zur Sache. Durchaus etwas beklemmend, unschuldige Babys Babys jagen und zerfleischen zu sehen. Bei meinen bisherigen Beobachtungen hatten unwesentlich jüngere Geparde eher nur Haschen gespielt und schliefen schließlich mit dem Kitz zusammengekuschelt ein.

 

Daneben gab es natürlich auch wieder lange und teilweise dramatische Beobachtungen mit adulten Katzen. Teilweise rückten sie uns im Jagdeifer so nah, dass ich mit meiner langen Linse nicht mehr zum Zug kam. Gabi hielt mit der kürzeren Optik aber unerschütterlich drauf und bekam sehr eindrückliche Bilder. Siehe unten!

 

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Babys jagen Babys – und der Ablauf war nahezu komplett

 

 

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Too close for comfort: Für mein Teleobjektiv schon zu nah, aber Gabi bekam den hochdramatischen Schuss!

 

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Ein Servalweibchen machte uns viel Freude. Endlich bekam ich die perfekte Vorlage für den hohen Beutesprung, den ich schon immer mal bei diesen schönen Tieren aufnehmen wollte

 

 

 

Juni 2016: Abstecher an die Feldberger Seelandschaft in Mecklenburg-Vorpommern

Nach unseren begeisternden Erfahrungen im letzten Sommer in Feldberg, nutzten wir einen Besuch in Berlin wieder für einen (leider sehr kurzen) Abstecher an die vogelreichen Seen. Und Fred Bollmann enttäuschte uns auch diesmal nicht. Schaut selbst…

 

Ein Seeadler in voller Aktion (dank Freds Nachhilfe)

Ein Seeadler in voller Aktion (dank Freds Nachhilfe)

 

Junge Rauchschwalben warten geduldig auf ihre Futterportion

Junge Rauchschwalben warten geduldig auf ihre Futterportion

 

Eine Lachmöwe im Brutkleid sammelt Futter für die Jungen

Eine Lachmöwe im Brutkleid sammelt Futter für die Jungen

 

Ein Rotmilan im Sturzflug

Ein Rotmilan im Sturzflug

 

 

Mai 2016: Regenzeit in Kenia

Mitte Mai bis Anfang Juni ging es zum lange geplanten Matira Studytours Workshop nach Kenia in die Masai Mara. Dabei wurde den Gästen ein “Intensiv-Kurs” angeboten: Ausgiebige Tierbeobachtungen im Gelände waren gekoppelt mit populärwissenschaftlichen Vorträgen, in denen das täglich Gesehene aufgegriffen und in einen naturwissenschaftlichen Kontext gestellt wurde. Die Vorträge waren nicht zu verbissen gemeint: Manchmal waren es auch nur abendliche Gespräche am Lagerfeuer, bei denen es darum ging, die frischen Eindrücke zu verarbeiten und allgemeine Fragen zu Tierverhalten und Ökologie zu diskutieren. Nach einem anstrengendem Tag im Gelände kann man natürlich kein Seminar abhalten. Wir hatte jedenfalls alle viel Spaß dabei.

 

Die abendlichen Gesprächsrunden im Matira Camp fanden, so oft das Wetter es erlaubte, an der urgemütlichen Feuerstelle des Camps statt.

Die abendlichen Gesprächsrunden im Matira Camp fanden, so oft das Wetter es erlaubte, an der urgemütlichen Feuerstelle des Camps statt.

 

Das Wetter zum Ende der Regenzeit spielte mit: Die üblichen beeindruckenden Wolkenwände für die typische “Kulisse”, aber die Regengüsse waren dann meistens doch nur abendliche Schauer. Wir kamen an jedem Tag des Workshops ins Gelände und es gab  viel zu sehen!

 

Grandiose Wolkenwände über dem strahlend grünen Land ergaben eine wunderbare "Regenzeitkulisse". In Masai Mara kann man dabei böse Überraschungen erleben, denn die Pisten werden dann oft unpassierbar. So schlimm war es am Ende der Regenzeit dann doch nicht mehr: Wir kamen an jedem Tag "raus".

Grandiose Wolkenwände über dem strahlend grünen Land ergaben eine wunderbare “Regenzeitkulisse”. In Masai Mara kann man dabei böse Überraschungen erleben, denn die Pisten werden dann oft unpassierbar. So schlimm war es am Ende der Regenzeit dann doch nicht mehr: Wir kamen an jedem Tag “raus”.

 

Die Bäche und Flüsse waren massiv angeschwollen und einige, wie der Ronkai, hatten einen fast drei Meter höheren Wasserspiegel. Der Bach, sonst nur ein tiefer Geländeeinschnitt mit ein paar Tümpeln, trat an einigen Stellen über die Ufer und breitete sich ins Grasland aus.

 

Anthony und Jonathan Tira waren mit ihren Geländekünsten gefordert, aber sie brachten uns durch jedes Flussbett, das sie vorher als "passierbar" eingestuft hatten.

Anthony und Jonathan Tira waren mit ihren Geländekünsten gefordert, aber sie brachten uns durch jedes Flussbett, das sie vorher als “passierbar” eingestuft hatten.

 

 

Zu der Zeit ist das Vogelleben besonders aktiv, weil viele Vögel nun brüten oder noch balzen. So kam ich nach all den Jahrzehnten nun endlich zu meinen lange erhofften Fotos der Leierschwanzwidas auf ihren Balzarenen. Wir hatten Stunden Spaß damit, ihnen bei ihren kuriosen Balztänzen zuzuschauen.

 

Ein Leierschwanzwida-Hahn beim Balztanz. Die kleinen Kobolde springen dabei mit grotesk aufgeplustertem Gefieder fast einen Meter hoch auf ihren Balzarenen herum, um Weibchen anzulocken.

Ein Leierschwanzwida-Hahn beim Balztanz. Die kleinen Kobolde springen dabei mit grotesk aufgeplustertem
Gefieder fast einen Meter hoch auf ihren Balzarenen herum, um Weibchen anzulocken.

 

Viele Sekretäre finden nun ebenfalls Futter in Hülle und Fülle, so dass es nicht überrascht, dass sie nun ebenfalls zur Brut schritten. Tagelang waren sie dabei, Äste und Zweige auf niedrige Bäume zu tragen, wo sie ihre Nestplattformen – meist nur drei Meter über dem Boden – anlegen.

 

Auch die Sekretäre balzten und trugen eifrig Nistmaterial zu ihren niedrigen Nistbäumen.

Auch die Sekretäre balzten und trugen eifrig Nistmaterial zu ihren niedrigen Nistbäumen.

 

 

Nach all den Mühen: Paarung auf der Nestplattform.

Nach all den Mühen: Paarung auf der Nestplattform.

 

 

Ein Gleitaar rüttelt über dem üppig sprießenden Gras: Es gab jede Menge Nager dort unten und er hatte sofort Erfolg.

Ein Gleitaar rüttelt über dem üppig sprießenden Gras: Es gab jede Menge Nager dort unten und er hatte sofort Erfolg.

 

 

Und natürlich wimmelte es nun von Insekten. Eine Gabelracke holt sich ihren Anteil.

Und natürlich wimmelte es nun von Insekten. Eine Gabelracke holt sich ihren Anteil.

 

Natürlich waren wir nicht nur ornithologisch interessiert. Die größte Faszination der Mara machen eben immer noch die Raubkatzen aus.  Anthony Tira fand schon am ersten Tag die besonders begehrte Fotobeute – Leoparden! Eine Mutter mit einem Halbwüchsigen, der dann auch noch freundlicherweise Turnübungen am Baum vorführte.

 

Ein junger Leopard kraxelt schon recht flink eine Wüstendattel empor.

Ein junger Leopard kraxelt schon recht flink eine Wüstendattel empor. Foto: Gabriele Mierke-Radke

 

 

Oben hält Mama Ausschau. Ein wunderbares Erlebnis, gleich zwei Leoparden bei bestem Licht zu erleben.

Oben hält Mama Ausschau. Ein wunderbares Erlebnis, gleich zwei Leoparden bei bestem Licht zu erleben.

 

 

Die Löwen waren tagsüber eher wenig aktiv und an die aufmerksamen Leierantilopen wären sie im offenen Gelände dann auch nie herangekommen.

Die Löwen waren tagsüber eher wenig aktiv und an die aufmerksamen Leierantilopen wären sie im offenen Gelände dann auch nie herangekommen.

 

 

Das Land am Mara Fluss in der üppigen Zeit zu erleben, war ein Genuss, zumal es sehr wenige andere Besucher gab, "wir hatten den Park (fast) für uns!"

Das Land am Mara Fluss in der üppigen Zeit zu erleben, war ein Genuss, zumal es sehr wenige andere Besucher gab, “wir hatten den Park (fast) für uns!”

 

Im Anschluss hatte ich mit meiner Frau die Gelegenheit, die Rhino Watch Lodge von Frank Wirth in der Nähe von Nyeri zu besuchen. Eine beeindruckende, sehr komfortable Anlage, direkt gegenüber dem Mt. Kenia. Und wenige Kilometer daneben die Solio Ranch mit ihren einmaligen Rhinobeständen. Vor dem spektakulätren Gipfel des Mt. Kenia – der freundlicherweise gerade frei sichtbar war – ein Erlebnis, das mich nach all den vielen Jahren in Ostafrika besonders beeindruckte. Die Regenwaldhänge des ebenfalls sehr nahen Aberdare Nationalparks hatten wir seit unserem Aufenthalt bei Nyeri für einen BBC Film im Jahr  1991 nicht mehr besucht. Ehrensache, dass wir unsere Erinnerungen auffrischten!

 

Die Solio Ranch bietet wohl in ganz Afrika die besten Möglichkeiten Nashörner zu beobachten - und das vor der Kulisse des Mt. Kenia, der zweithöchsten Erhebung des Kontinents.

Die Solio Ranch bietet wohl in ganz Afrika die besten Möglichkeiten Nashörner zu beobachten – und das vor der Kulisse des Mt. Kenia, der zweithöchsten Erhebung des Kontinents.

 

 

Eine Diademmeerkatze im Aberdare Nationalpark

Eine Diademmeerkatze im Aberdare Nationalpark

 

 

 

Februar 2016: Brasilien/Argentinien, Iguazú Wasserfälle

Schon seit Jahren lockte mich das wohl größte Wasserspektakel der Welt – die Iguazù Fälle an der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien. Eine hufeisenförmige gigantische Steilsstufe, wo sich die Wassermassen des Iguazú über Hunderte von Eimzelfällen, teilweise in mehreren Kaskaden hintereinander, in die Tiefe stürzen.  Die  Lage am Grenzfluss bedeutet, dass das Naturwunder sowohl von Brasilien als auch von Argentinien zugänglich gemacht wurde – schließlich wollen beide Staaten von der touristischen Anziehungskraft des Spektakels profitieren. Dadurch bieten sich unzählige Blickwinkel auf die tosenden Wassermassen, ein touristischer Wunschtraum. Oder Alptraum – je nachdem wie man damit zurecht kommt, seine eigene Begeisterung mit Tausenden anderer Begeisterter zu teilen. Eine Dschungelexpedition durch unerschlossene Urwälder sollte man jedenfalls nicht erwarten, obwohl die Fälle auf beiden Uferseiten von einem Nationalpark umgeben sind, der den subtropischen Regenwald vor der Zerstörung bewahren soll. Es gibt Schlaue, die flugs die eine oder andere Seite zur “besten” erklären. Aber man sollte unbedingt beide Perspektiven gesehen haben, um einen umfassenden Eindruck zu bekommen. In Argentinien wird man auf kilometerlangen Stegen direkt an die Fallkante geführt – in Brasilien bekommt man dagegen aus niedriger Perspektive einen umfassenderen Gesamteindruck. Wir mieteten uns zunächst für ein paar Tage in Brasilien ein. Wegen des typischen Tropenwetters sollte man seinen Aufenthalt nicht zu knapp halten: Wir waren froh über die”Reserve”, denn es gab auf jeder Seite tatsächlich nur jeweils einen klaren, sonnigen Tag.

 

 

Die Iguazú Fälle sind eines der großen Naturwunder der Welt. Über Hundert Einzelfälle summieren sich zu rund 2,6 Kilometern in einem gigantischen "Hufeisen"

Die Iguazú Fälle sind eines der großen Naturwunder der Welt. Über Hundert Einzelfälle summieren sich zu rund 2,6 Kilometern in einem gigantischen “Hufeisen”

 

 

Im Februar 2016 waren die Fälle ein tobender Hexenkessel, weil der Fluss nach den el nino Regen Hochwasser führte.

Im Februar 2016 waren die Fälle ein tobender Hexenkessel, weil der Fluss nach den el nino Regen Hochwasser führte. Leider verbarg der Sprühnebel dabei oft große Teile der Fälle.

 

 

Von der brasilianischen Seite der Fälle kann man die enormen Dimensionen des Iguazú am besten erfassen, weil man nur hier einen Gesamteindruck bekommt.

Von der brasilianischen Seite der Fälle kann man die enormen Dimensionen des Iguazú am besten erfassen, weil man nur hier einen Gesamteindruck bekommt.

 

 

Auf der argentinischen Seite kann man dagegen direkt an die Fallkante gehen, was einen intensiven Eindruck der Wassergewalten gibt.

Auf der argentinischen Seite kann man dagegen direkt an die Fallkante gehen, was einen intensiven Eindruck der Wassergewalten gibt.

 

Im Regenwald und sogar in den Siedlungen gibt es  einige Urwaldbewohner, die durch die vielen Besucher sehr zutraulich geworden sind.

 

Ein Südamerikanischer Nasenbär im Iguazú Nationalpark. Diese Tiere sind gewitzte Opportunisten, die sich in einigen Restaurants bei den Fällen ungerührt an den Tellern der Gäste bedienen, wenn diese Zeichen von Angst oder Unsicherheit erkennen lassen.

Ein Südamerikanischer Nasenbär im Iguazú Nationalpark. Diese Tiere sind gewitzte Opportunisten, die sich in einigen Restaurants bei den Fällen ungerührt an den Tellern der Gäste bedienen, wenn diese Zeichen von Angst oder Unsicherheit erkennen lassen.

 

 

Ein Goldsaphirkolibri macht seinem Namen Ehre. Kolibris sind auch in den Gärten häufig anzutreffen und in Puerto Iguazú (auf der argentinischen Seite) werden sie mit Zuckerwasserspendern zusätzlich angelockt.

Ein Goldsaphirkolibri macht seinem Namen Ehre. Kolibris sind auch in den Gärten häufig anzutreffen und in Puerto Iguazú (auf der argentinischen Seite) werden sie mit Zuckerwasserspendern zusätzlich angelockt.

 

 

März 2016: Gletschernationalpark, Argentinien

Von Puerto Iguazú ging es mit dem Flieger fast 3000 km nach Süden. Dort, in El Calafate, ist der Ausgangspunkt für Fahrten durch das stürmische Patagonien und vor allem liegt hier der Gletschernationalpark. In seinem südlichen Teil findet sich der wohl berühmteste Gletscher der Welt, der Moreno Gletscher. Wir mieteten uns einen Wagen und machten uns, gut verpackt gegen die erwartete Kälte, auf den Weg zu den Eismassen. Das Problem lag dann aber eher in der intensiven Sonnenstrahlung, denn wir hatten das große Glück, an einem der wenigen  klaren Tage die umwerfende Kulisse des aus den Anden abfließenden Eises zu erleben.

 

Sonnenbrandgefahr! Statt Wind und Regen, wie es hier so oft zu erwarten ist, empfing uns strahlender Sonnenschein am Moreno Gletscher.

Sonnenbrandgefahr! Statt Wind und Regen, wie es hier so oft zu erwarten ist, empfing uns strahlender Sonnenschein am Moreno Gletscher.

 

Obwohl die südlichen Anden nicht mehr besonders hoch sind (die höchste Berge im Bild liegen knapp unter 3000 Meter) fließen doch gewaltige Mengen Eis nach Osten, in den Lago Argentino (Silbersee). Hier im Bild der südliche Arm des Sees, der Brazo Rico. hier in ihrem s

Obwohl die südlichen Anden nicht mehr besonders hoch sind (der höchste Berg im Bildhintergrund, der Cerro Pietrobelli, ist knapp unter 3000 Meter) fließen doch gewaltige Mengen Eis nach Osten, in den Lago Argentino (Silbersee, hier im Bild der südliche Arm des Sees, der Brazo Rico). Dies liegt an der äußerst feuchten Meeresluft, die vom Pazifik herangetrieben wird und sich vor allem auf der chilenischen Seite der Gebirgskette als Schnee niederschlägt. Der Seespiegel liegt hier nur 187 Meter über dem Meersspiegel, so dass sich trotz der eisigen Kulisse ein überraschend mildes Klima ergibt.

 

 

Es fällt schwer, die Dimensionen der Eismassen zu erfassen, weil es keinen Vergleichsmaßstab gibt. Im Zentrum raget die Eiswand 50 bis 70 Meter auf, noch einmal 100 bis 150 Meter tief reicht der Gletscherunter die Wasserlinie.

Es fällt schwer, die Dimensionen der Eismassen zu erfassen, weil es keinen Vergleichsmaßstab gibt. Im Zentrum ragt die Eiswand 50 bis 70 Meter auf, noch einmal 100 bis 150 Meter tief reicht der Gletscher unter die Wasserlinie.

 

Der Moreno schiebt sich mit seiner Front bis an die Halbinsel Magellanes heran und trennt dabei den südlichen Arm des Sees, den Brazo Rico ab. Der Nebenarm staut sich dadurch auf und erreicht einen bis zu 20 Meter höheren Wasserstand als der Lago Argentino.

Der Moreno schiebt sich mit seiner Front bis an die Halbinsel Magellanes heran und trennt dabei den südlichen Arm des Sees, den Brazo Rico (links) ab. Der Nebenarm staut sich dadurch auf und erreicht einen bis zu 20 Meter höheren Wasserstand als der Lago Argentino (rechts).

 

Diese Aufnahme entstand zwei Tage später: Der Druck des angestauten Wassers hat den Gletscher unterhöhlt und einen reißenden Abfluss geschaffen, der die Eiswand stark destabilisierte. Solche Durchbrüche erfolgen unregelmäßig, meist mit mehreren Jahren Abstand. Wir hatten das große Glück, so einen Durchbruch zu erleben.

Diese Aufnahme entstand zwei Tage später: Der Druck des angestauten Wassers hat den Gletscher unterhöhlt und einen reißenden Abfluss geschaffen, der die Eiswand stark destabilisiert. Große Bereiche des Eises sind in dieser Aufnahme schon abgesprengt und fortgespült. Solche Durchbrüche erfolgen unregelmäßig, meist mit mehreren Jahren Abstand. Wir hatten das große Glück, so einen Durchbruch zu erleben.

 

Ständig fielen riesige Eisblöcke herab und erweiterten das Tor von Stunde zu Stunde.

Ständig fielen riesige Eisblöcke herab und erweiterten das Gletschertor von Stunde zu Stunde.

 

 

Eistürme in der Größenordnung von mittleren Hochhäusern stürzten hinab. Bilder, wie man sie mit dem Rückzug des Eises nach der letzten Eiszeit verbindet. Mit dem Klimawandel haben diese Abbrüche allerdings nichts zu tun. Der Moreno gehört zu den wenigen Gletschern weltweit, die nicht schrumpfen. In wenigen Monaten wird er sich wieder an die Halbinsel herangeschoben haben.

Eistürme in der Größenordnung von mittleren Hochhäusern stürzten hinab. Bilder, wie man sie mit dem Rückzug des Eises nach der letzten Eiszeit verbindet. Mit dem Klimawandel haben diese Abbrüche allerdings nichts zu tun. Der Moreno gehört zu den wenigen Gletschern weltweit, die nicht schrumpfen. In wenigen Monaten wird er sich wieder an die Halbinsel herangeschoben haben.

 

 

Das Fitz Roy Massiv im nördlichen Teil des Gletschernationalkparks. Obwohl nur 3405 Meter hoch, ist er einer der am schwierigsten zu besteigenden Berge der Welt. Er wurde mit großen Opfern erst lange nach der Besteigung des Mt. Everest bezwungen.

Das Fitz Roy Massiv im nördlichen Teil des Gletschernationalparks, gesehen vom Lago Viedma. Obwohl nur 3405 Meter hoch, ist der Fitz Roy einer der am schwierigsten zu besteigenden Berge der Welt. Er wurde mit großen Opfern erst lange nach der Besteigung des Mt. Everest bezwungen.

 

März 2016: Abstecher in den Torres del Paine Nationalpark, Chile

Natürlich wollten wir nicht versäumen, eine der spektakulärsten Berglandschaften der Welt zu bestaunen (wieder so ein Superlativ!), wenn wir schon mal “in der Gegend sind”: Der Torres del Paine Nationalpark in Chile bietet nach alpinen Standards keine besonders hohen Berge, aber die gezackten “Haifischzähne” der Torres sind einfach einmalig. Also nahmen wir die etwas eintönige Fahrt von El Calafate zur kleinen Grenzstation bei Cancha Carrera auf uns, und es lohnte sich! Wir wohnten in der Hosteria Tercera Barranca, einer Hazienda mit wunderbarem Blick auf die Torres und genauso wunderbarer Gastfreundschaft.

 

Die Hosteria Tercera Barranca liegt in der Nähe des Torres del Paine Nationalparks. Von der Hazienda hat man einen schönen Blick auf die Türme der zerklüfteten Berglandschaft. Wir hatten eine tolle Zeit auf der Ranch.

Die Hosteria Tercera Barranca liegt in der Nähe des Torres del Paine Nationalparks. Von der Hazienda hat man einen schönen Blick auf die Türme der zerklüfteten Berglandschaft. Wir hatten eine tolle Zeit auf der Ranch.

 

 

Der Blick vom Frühstückstisch! Allerdings ist das Massiv meist in Wolken gehüllt. Doch wenn es morgens klar ist, scheinen die fernen Zacken zu glühen.

Der Blick vom Frühstückstisch! Allerdings ist das Massiv meist in Wolken gehüllt. Doch wenn es morgens klar ist, scheinen die fernen Zacken zu glühen.

 

 

Oscar Alarcon, der Tourismus Manager der Ranch, kümmert sich um die Gäste. Wir fühlten uns vom ersten Tag wie zu Hause.

Oscar Alarcon, der Tourismus Manager der Ranch, kümmert sich um die Gäste. Wir fühlten uns vom ersten Tag an wie zu Hause.

 

 

Wenn schon Ausritte, dann solche: Die Ranch bietet herrliche Blicke in freie unverbaute Landschaft.

Wenn schon Ausritte, dann solche: Die Ranch bietet herrliche Blicke in freie unverbaute Landschaft.

 

 

Der Torres del Paine Nationalpark bietet einige der spektakulkärsten Berglandschaften der Welt.

Der Torres del Paine Nationalpark gehört zu den spektakulkärsten Berglandschaften der Welt.

 

 

Guanakos im Torres del Paine Nationalpark. Die Tiere sind nach Wegfall der Bejagung teilweise sehr zutraulich geworden. An diese Gruppe kam ich auf 15 Meter heran, ohne sie sonderlich zu stören.

Guanakos im Torres del Paine Nationalpark. Die Tiere sind nach Wegfall der Bejagung teilweise sehr zutraulich geworden. An diese Gruppe kam ich auf 15 Meter heran, ohne sie sonderlich zu stören.

 

März/April 2016: Tierwelt der patagonischen Pampa in Chile und Argentinien

Die patagonische Pampa kann in den trockenen Monaten recht eintönig wirken, doch es gibt immer wieder Begegnungen mit einer für Europäer fremdartigen Tierwelt. Auch wenn die Artenvielfalt nicht sehr hoch ist und einige Arten, wie der Patagonische Gabelhirsch fast ausgerottet sind, kann man in der dünn besiedelten Landschaft durchaus exotische Tiere antreffen.

 

Ein Braunborsten-Gürteltier spurtet zurück zu seiner Höhle, Halbinsel Valdés. Argentinien

Ein Braunborsten-Gürteltier spurtet zurück zu seiner Höhle, (Halbinsel Valdés, Argentinien).

 

 

Ein Zwerggürteltier, lokal auch Pichi genannt, verharrt bei Annährerung stocksteif. Erst im letzten Moment versuchen sie davon zu laufen und sie sind dabei erstaunlich schnell. Gürteltiere können sich bei Gefahr teilweise einrollen und vertrauen dann auf den Schutz ihres Panzers.

Ein Zwerggürteltier, lokal auch Pichi genannt, verharrt bei Annährerung stocksteif. Erst im letzten Moment versuchen sie davon zu laufen und sie sind dabei erstaunlich schnell. Gürteltiere können sich bei Gefahr teilweise einrollen und vertrauen dann auf den Schutz ihres Panzers (Puerto Deseado, Argentinien).

 

 

Der Patagonische Skunk lässt sich beim Graben nach Insekten nicht stören. Er vertaut auf seine "Bewaffnung" und wer wollte mit ihm Streit anfangemn?

Der Patagonische Skunk lässt sich beim Graben nach Insekten nicht stören. Er vertaut auf seine “Bewaffnung” und wer wollte mit ihm Streit anfangen? (Tercera Barranca, Chile)

 

 

Ein Patagonischer Fuchs, auch Andenfuchs genannt, auf Mäusejagd.

Ein Patagonischer Fuchs, auch Andenfuchs genannt, auf Mäusejagd (Mt. Leon Nationalpark, Argentinien).

 

 

Möwen greifen

Möwen greifen fütternde Buntscharben an. Die Scharben würgen dann manchmal in letzter Not das Futter wieder aus (Puerto Deseado, Argentinien).

 

 

Magellan-Uhus im Tagesversteck. Die großen Eulen sitzen oft im Freien und bewegen sich kaum. Sie sind dann kaum zu entdecken, obwohl sie völlig exponiert sind.

Magellan-Uhus im Tagesversteck. Die großen Eulen sitzen oft im Freien und bewegen sich kaum. Sie sind dann schwer zu entdecken, obwohl sie völlig exponiert sind (Puerto Deseado, Argentinien).

 

April 2016: Orca-Beobachtungen auf der Halbinsel Valdés, Argentinien

Wohl jeder Naturliebhaber hat schon die spektakulären Angriffe der Schwertwale im Fernsehen gesehen. Man bekommt dabei fast den Eindruck, dies sei alltägliches Verhalten der räuberischen Meeressäuger. Das ist aber weit gefehlt: Es gibt nur eine Handvoll Wale, die diese besondere und auch für die Wale gefährliche Jagdtaktik praktizieren. Bis auf sporadische Einzelbeobachtungen im Indischen Ozean ist die Halbinsel Valdés die einzige Region, wo dieses Verhalten seit den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts regelmäßig für einige Monate im Jahr gesehen werden kann. Die Schwertwale greifen dabei im späten Südsommer Jungtiere von See-Elefanten und vor allem Seelöwen am Strand an. Dabei sind diese Angriffe aber sehr schwer vorherzusagen.  Die Wale patrouillieren die Küste der Halbinsel und attackieren bei sich bietenden Gelegenheiten. Zufällig gerade vor Ort zu sein, wenn so etwas passiert, ist dann natürlich eher unwahrscheinlich. Die einzige Ausnahme stellt ein kleiner Strandabschnitt an der nördlichen Spitze der Halbinsel dar: Dort, bei Punta Norte, gibt es eine Lücke im Riff, so dass Wale hier dicht an den Strand schwimmen können. Und dazu hält sich hier seit langer Zeit regelmäßig eine Kolonie von Seelöwen auf. Wenn ihre Jungen zu den ersten Schwimmübungen ins Wasser gehen, ist die Jagdsaison eröffnet: Im März und April kommt es an dieser Stlle, dem sogenannten “Angriffskanal”, manchmal mehrmals in der Woche zu Angriffen. Damit hat man hier eine deutlich größere Chance, das seltene Verhalten zu sehen, als an den anderen Küstenabschnitten.  Entsprechend begehrt sind die wenigen Permits, die von der Nationalparkverwaltung für das Fotografieren am Angriffskanal verkauft werden. Frank Wirth, der die Agentur “Wildlife Observations Worldwide” (WOW) gegründet hat, ist einer der wenigen, die solche Permits anbieten. Er hat natürlich weltweiten Zulauf und unsere Gruppe kam aus Kanada, England und Deutschland.

 

 

Unsere Fotogruppe am Strand des Angriffskanals. Es gibt strenge Auflagen und man darf sich nur mit einem Nationalkparkranger auf einer kleinen Fläche bewegen. Die Tiere sollen in keinem Fall vergrämt werden - es ist die einzige Stelle weltweit, an der so regelmäßoig Jagdverhalten beobachtet werden kann. Und garantiert ist nichts: Wir hatten in einer Woche nur an einem Tag Walaktivitäten!

Unsere Fotogruppe am Strand des Angriffskanals. Es gibt strenge Auflagen und man darf sich nur mit einem Nationalkparkranger auf einer kleinen Fläche bewegen. Die Tiere sollen in keinem Fall vergrämt werden – es ist die einzige Stelle weltweit, an der so regelmäßig Orca-Jagdverhalten beobachtet werden kann. Und garantiert ist nichts: Wir hatten in einer Woche nur an einem Tag Walaktivitäten!

 

 

Ein Orca komt im Flachwasser auf spielnde junge Seelöwen zu

Ein Orca kommt im Flachwasser auf spielende junge Seelöwen zu. Der Wal bleibt so tief wie möglich, ragt aber in Strandnähe weit aus dem Wasser. Trotzdem sind die naiven Jungtiere erstaunlich leichtsinnig und gehen selbst nach mehreren Angriffen immer wieder ins Wasser.

 

 

Die Seelöwen entkommen knapp, weil der Angriff nicht genau genug gezielt war. Die Wale orientieren sich an den Geräuschen der jungen Seelöwen, so dass starker Seegang, wie an diesem Tag, ihre "Peilung" un gen au macht.

Der Seelöwe entkommt knapp, weil der Angriff nicht genau genug gezielt war. Die Wale orientieren sich an den Geräuschen der jungen Seelöwen, so dass starker Seegang, wie an diesem Tag, ihre “Peilung” ungenauer macht. Neben dem angreifenden Wal-Weibchen ist die Finne ihres Jungen zu sehen. Die kleinen Wale werden so immer auf der sicheren, tieferen Seite gehalten, damit sie nicht stranden. Bei diesen Manövern lernen die Jungen, sich in dem gefährlich flachen Wasser zu bewegen. Es dauert viel Jahre, bis sie das Jagen am Strand beherrschen.

 

 

Der junge Seelöwe wirkt winzig neben dem Orca, der jetzt fast frei auf dem Grund liegt.

Der junge Seelöwe wirkt winzig neben dem Orca, der jetzt fast frei auf dem Grund liegt.

 

 

Diese Phase ist auch für die Angreifer gefährlich: Normalerweise vermeiden Wale Flachwasser, weil sie einmal gestrandet, sich nur noch schwer befreien können und sterben. Orcas sind durchas bei Angriffen gestrandet und mussten gerettet werden! Weil diese Jagdtaktik so schwierig ist, beherrschen nur 6 - 7 TIere diese riskanten Manöver. Mit wellnförmigen Körperbewegungen und kräftigen Schwanzschlägen berfeit dieser Wal sich ab er gekonnt nach einem vergeblichen Angriff.

Diese Phase ist auch für die Angreifer gefährlich: Normalerweise vermeiden Wale Flachwasser, weil sie, einmal gestrandet, sich nur noch schwer befreien können und sterben. Orcas sind durchaus bei Angriffen gestrandet und mussten gerettet werden! Weil diese Jagdtaktik so schwierig ist, beherrschen nur 6 – 7 TIere das riskante Manöver. Mit wellenförmigen Rumpfbewegungen und kräftigen Schwanzschlägen befreit dieser Wal sich aber gekonnt nach einem vergeblichen Angriff.

 

 

Hier hat alles geklappt und ein junger Seelöwe ist gepackt.

Hier hat alles geklappt und ein junger Seelöwe ist gepackt.

 

 

Das verletzte Beutetier wird sofort in tiefes Wasser getragen, wo die Wale sich manchmal das Opfer mit Schwanzschlägen gegenseitig zuwerfen. Vermutlich lernen dabi auch die Jungtiere den Umgang mit der Beute. Außerdem werden damit weitere Wale angelockt, um das Futter gemeinsam zui rereißen - alleine könnte ein Wal keine Stücke herausreißen.

Das verletzte Beutetier wird sofort in tiefes Wasser getragen, wo die Wale sich manchmal das Opfer mit Schwanzschlägen gegenseitig zuwerfen. Vermutlich lernen dabei auch die Jungtiere den Umgang mit der Beute. Außerdem werden damit weitere Wale angelockt, um das Futter gemeinsam zu zerreißen – alleine könnte ein Wal keine Stücke abbeißen.

 

 

September/Oktober 2015: Down under: Vanuatu und Australien

Australien war für meine Frau vor Jahrzehnten Prüfungsthema und seither auf ihrer Wunschliste. Die lange Anreise machte einen Besuch aber eigentlich nur lohnend, wenn man sich nicht auf ein paar Wochen beschränken muss. So brachen wir dann auch erst nach ihrer Pensionierung zügig auf nach Brisbane. Wenn man schon auf der anderen Seite der Welt ist, liegt ein anderes Ziel, mit dem ich seit Jahren liebäugelte, vergleichsweise nah: Die Inselgruppe Vanuatu, früher als die Neuen Hebriden bekannt. Dieser kleine Staat ist für seine besonders glücklichen Menschen berühmt: Er hat die höchste Zufriedenheitsquote aller Länder der Welt. Und das, obwohl hier gleichzeitig die am stärksten durch Naturkatastrophen gefährdete Region der Erde liegt!! Die Plattentektonik des “Pazifischen Feuerrings” lässt in Vanuatu oft die Erde beben und Vulkane ausbrechen, ganz zu schweigen von Zyklonen, die über die Inseln fegen. Hier liegen einige spektakuläre Vulkane und der Yasur gilt dabei als besonders leicht erreichbar. Was ein bisschen wie Hohn  klingt, wenn man in  Deutschland sitzt. Aus der Perspektive von Brisbane ist Vanuatu aber tatsächlich nur einen kleinen Sprung mit dem Flieger entfernt. Und so kam ich am 4. September gegen Mitternacht auf dem Flughafen von Port Vila an, um mich für die Nacht auf den Bänken der dunklen Halle für den Anschlussflug nach Tanna am nächsten Morgen niederzulassen.

 

Vanuatu entsprach allen Klischees: Die Inseln zerzaust vom Zyklon “Pam”, der vor einigen Monaten Häuser zerstörte und die Wälder gehörig rupfte. Die Menschen freundlich und hilfsbereit, der Yasur feurig explosiv und leicht zu besteigen.

 

Feuerschein über dem Yasur Vulkan, Vanuatu. Die Gaswolken reflektieren den Schein der Lavaglut im Krater.

Feuerschein über dem Yasur Vulkan, Vanuatu. Die Gaswolken reflektieren den Schein der Lavaglut im Krater.

 

Yasur Vulkan vor Sonnenaufgang, Vanuatu. In der kühlen Morgenluft bilden die ausgestoßenen heißen Gase dichte Wolken.

Yasur Vulkan vor Sonnenaufgang, Vanuatu. In der kühlen Morgenluft bilden die ausgestoßenen heißen Gase dichte Wolken. Die Gase können den Aufenthalt auf dem Kraterrand ziemlich unerfreulich machen. Rieselnde Asche und ätzende Schwefelsäure  hinterlassen böse Spuren auf der Fotoausrüstung, wenn man nicht vorsichtig genug ist.

 

Strombolianische Aktivität am Yasur Vulkan, Vanuatu

Strombolianische Aktivität am Yasur Vulkan. Der Blick auf die aktiven Auswurfstellen ist nur von einer Stelle am Krater möglich. Bei passendem Wind, so wie hier, hat man einen spektakulären Anblick vor sich. Doch bei allen anderen Besuchen trieben Gasschwaden über den Krater und machten  längere Beobachtungen oder Fotos fast unmöglich.

 

Queensland, Australien

Während ich auf dem Yasur herum kraxelte, akklimatisierte meine Frau in Brisbane und nach drei Tagen stieß ich wieder zu ihr.

 

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Brisbane: Eine moderne, pulsierende Großstadt mit einem beneidenswerten Klima.

 

Mit einem angemietetem Camperbus ging es dann kreuz und quer durch Queensland. Wir hatten uns von vorneherein auf die Ostküste beschränkt. Zum einen, weil es dort die vielfältigste Natur Australiens gibt, zum anderen, weil sonst die Entfernungen einfach zu groß werden. Die ersten Ziele waren der Springbrook und der Lamington Nationalpark im Süden Queenslands.

 

Springbrook Nationalpark, Queensland, Australien. Hier finden sich noch einige Restbestände von sehr artenreichen und sehr alten Regenwäldern.

Der Springbrook Nationalpark umfasst kleine Reste uralter Reliktwälder, die in die Zeit des Gondwana Kontinents, 300 Millionen Jahre  zurückreichen. Links hinten ist der stehengebliebene zentrale Lavapfropf des sonst weitgehenden erodierten Vulkans Mt. Warning zu erkennen. Der flache Schildvulkan bedeckte vor 23 Millionen Jahren die ganze Region. Die zurückgebliebene Caldera bildet einen großen Teil des Parks.

 

Südbuchen oder Scheinbuchen sind eine uralte Baumfamilie die nur auf der Südhalbkugel vorkommt.

Südbuchen oder Scheinbuchen sind eine uralte Baumfamilie, die nur auf der Südhalbkugel vorkommt. Frühe Formen dieser Bäume reichen über 80 Millionen Jahre zurück. In rund 50 kleinen Schutzgebieten, wie dem Springbrook und dem Lamington Nationalpark, sind die australischen Restbestände dieser Bäume geschützt.

 

Mein Hauptziel im Springbrook Park war aber eine Höhle, die der Cave Creek in der Natural Bridge Sektion des Parks geformt hatte. Wassererosion und Unterspülungen haben hier eine flache Höhle mit einem durchbrochenen Dach geschaffen. Durch dieses Loch stürzt ein kleiner Wasserfall, wodurch eine hohe Luftfeuchtigkeit unter dem Felsvorsprung erzeugt wird.

 

Natural Bridge Höhle, Springbrook Nationalpark, Australien. Die eingestürzte Decke der Höhle hat einen Felsbogen stehen lassen, der wie eine natürliche Brücke wirkt.

Natural Bridge Höhle, Springbrook Nationalpark, Australien (HDR-Aufnahme). Durch die eingestürzte Decke fällt der Cave Creek und erzeugt unter dem Felsdach eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Dies schafft ein passendes Habitat für eine urtümliche Kreatur.

 

"Glühwurm"-Leuchten in der Cave Creek Höhle, Springbrook Nationalpark, Australien. Die Larven von einer kleinen sehr alten Fliegenart locken mit Licht Beute in ihre klebrigen Fangfäden,

Sobald es dunkel wird, erscheint ein geisterhaftes Leuchten an der Felsdecke und an den Wänden. In dieser Langzeitbelichtung reicht das schwache Restlicht des späten Abends gerade noch, um den Wasserfall in die Höhle sichtbar zu machen.

 

Dies macht die Höhle zu einem idealen Lebensraum für ein urtümliches Tier: Die Arachnocampa-Fliege. Die Larven dieses kleinen Insekts brauchen eine hohe Luftfeuchtigkeit zum Überleben. Arachnocampa-Fliegen gibt es in Neuseeland und Australien schon seit Gondwana-Zeiten. Weil sie nur an wenigen Stellen die idealen Bedingungen finden, sind ihre  Populationen meist weit getrennt voneinander. Durch diese Isolation haben sich in Australien mindestens acht Arten entwickelt, die jeweils winzige Verbreitungsgebiete haben. In der Natural Bridge Höhle kommt beispielsweise Arachnocampa flava vor. Die Art gibt es übrigens auch an einer Stelle im benachbarten Lamington Nationalpark, wo sie entlang eines Baches einen schmalen Streifen passenden Biotops findet. Die Wirkung,  die ihre Larven in völliger Dunkelheit erzeugen, ist in der Höhle am Cave Creek aber viel eindrücklicher! Sie  erzeugen ein  funkelndes Sternenzelt über einem, man glaubt sogar winzige Galaxien darin schweben zu sehen…

 

"Glühwurm"-Leuchten in der Cave Creek Höhle, Springbrook Nationalpark, Australien. Die Larven von einer kleinen sehr alten Fliegenart locken mit Licht Beute in ihre klebrigen Fangfäden,

Der “Sternenhimmel” in der Cave Creek Höhle: Man glaubt sogar einzelne Galaxien darin  schweben zu sehen. Bei diesen “Glühwürmchen” handelt es sich um die Larven der kleinen und sehr alten Fliegenart Arachnocampa flava, die mit Biolumineszenz Beute in ihre klebrigen Fangfäden locken.

 

 

 

"Glühwurm"-Leuchten in der Cave Creek Höhle, Springbrook Nationalpark, Australien. Die Larven von einer kleinen sehr alten Fliegenart locken mit Licht Beute in ihre klebrigen Fangfäden,

Bei den “Galaxien” handelt es sich um größere Larven, die sich mit einem Vorhang funkelnder, klebriger Fangfäden umgeben. Sie sitzen in der Mitte und erzeugen mit körpereigenen Bakterien das kalte Biolumineszenz-Leuchten, das Nachtinsekten anlockt.

 

Obwohl der Lamington Nationalpark direkt an den Spríngbrook Park grenzt, muss man wegen der zerklüffteten Region einen weiten Umweg fahren, um über steile Serpentinen zum “O’Reilly Sektor” zu kommen. Dort betreibt die Familie O’Reilly seit vielen Jahrzehnten mitten in beeindruckenden, kühlen Bergregenwäldern ein Hotel direkt neben dem öffentlichen Campingplatz. Erfahrene Guides geben wertvolle Tipps zu Flora und Fauna, und die Vögel sind durch die häufigen Besucher sehr zutraulich. Mein 600er Objektiv konnte ich gleich wieder einpacken. Nicht von ungefähr hat hier die BBC die meisten ihrer Sequenzen zu Laubenvögeln und Leierschwänzen  gedreht. Die so beeindruckenden Statements von David Attenborough, direkt neben den beobachteten Vögeln gesprochen, sind hier aufgenommen worden, in Sichtweite von Camp oder Restaurant.

 

Anfliegendes Männchen des Gelbnacken-Laubenvogels, Lamington Nationalpark, Australien

Anfliegendes Männchen des Gelbnacken-Laubenvogels, Lamington Nationalpark, Australien

 

 

Männchen des Seidenlaubenvogels an seiner Laube, Lamington Nationalpark, Australien. Es reibt Pflanzensaft auf die Halme der Laube, um sie für Weibchen attraktiver zu machen.

Männchen des Seidenlaubenvogels an seiner Laube, Lamington Nationalpark, Australien. Das Bauwerk liegt auf einer sorgsam freigehaltenen Fläche im Wald. Vor der Laube werden Schmuckobjekte arrangiert, wobei ein kräftiger Kontrast mit gelben und intensiv blauen Objekten erzeugt wird. Früher brauchten  sie dafür Blüten und Vogelfedern, heute sind es oft Plastik- und Glasteile, die sie in der Umgebung finden. Hier reibt das Männchen Pflanzensaft auf die Halme der Laube, um sie für Weibchen noch attraktiver zu machen.

 

 

Weibchen des Seidenlaubenvogels inspiziert eine Laube, Lamington Nationalpark, Australien. Wenn ihm das Gesamtarrangement gefällt, kommt es in der Laube zur Paarung.

Weibchen des Seidenlaubenvogels inspiziert eine Laube während das Männchen nervös zuschaut, Lamington Nationalpark, Australien. Wenn dem Weibchen  das Gesamtarrangement gefällt, kommt es in der Laube zur Paarung.

 

 

Rothalsfilander mit Jungtier, nachts, Lamington Nationalpark

Besuch am Camp: Erst in der Dämmerung werden die nachtaktiven Kängurus munter. Hier ein Weibchen des Rothalsfilanders mit Jungtier im Unterholz.

 

 

Fuchskusu, Lamington Nationalpark, Australien. Deise Tiere sind nachtaktiv und auch in Siedlungsnähe häufig anzutreffen

Ein Fuchskusu beobachtet unseren Wagen aus einem benachbarten Baum, Lamington Nationalpark, Australien. Diese Tiere sind nachtaktiv und auch in Siedlungsnähe häufig anzutreffen

 

 

Hundskusu, Lamington Nationalpark, Australien. Diese Art ist kürzlich neu bestimmt und von der südlichen Art in Victoria abgetrennt worden. Engl: Short-eared Brushtail Possum

Wenig später erschien ein Hundskusu, genauso neugierig.  Diese Art ist kürzlich neu bestimmt und von den südlichen Hundskusus in Victoria abgetrennt worden (Engl: Short-eared Brushtail Possum, deutscher Name wäre dann Kurz-Ohren Hundskusu).

 

Aus dem kühlen Bergregenwäldern ging es in den warmen Norden. Ab August ziehen Buckelwale an die Küste, und in der Hervey Bay bringen sie dann ihre Kälber zur Welt. Eine der besten Stellen weltweit, um Buckelwale zu beobachten. Und wenn wir schon mal da sind….

 

Buckelwale, Hervey Bay, Australien. Subadulte Bullen nähern sich neugierig einem Schiff.

Buckelwale, Hervey Bay, Australien. Zwei subadulte Bullen nähern sich neugierig dem Schiff.

 

 

Buckelwal, Hervey Bay, Australien

Springender Buckelwal, Hervey Bay, Australien

 

 

 

Die Strecke von Hervey Bay zu unserem nächsten Ziel, dem Hochland um Atherton, (Atherton Tableland) ist über 1000 Kilometer lang. Da war ein Zwischenstopp schon recht sinnvoll und der Cape Hillsborough Nationalpark bot sich dafür an. Direkt an einem kleinen Campingplatz ein weitgehend menschenleerer Strand, wie aus dem Reisekatalog. Der Wald ringsum bietet so manches botanische Kleinod, aber uns interessierten vor allem die Kängurus, die hier jede Nacht an den Strand kommen. Früher lockte Schwemmgut, wie beispielsweise angetriebene Mangrovenschößlinge. Heute wird früh am Morgen mit ein paar milden Gaben  nachgeholfen, so dass regelmäßig Flinkwallabys und Östliche Graue Riesenkängurus den Strand übernehmen, bevor die (wenigen) Touristen das Strandleben dominieren.

 

Strand im Cape Hillsborough Nationalpark, Australien,

Einer der Traumstrände im Cape Hillsborough Nationalpark, Australien. Selbst dieser ist oft menschenleer, obwohl direkt am Zeltplatz gelegen.

 

 

Östliches Graues Riesenkänguru frisst angespülten Mangrovensamen, Cape Hillsborough Nationalpark

Östliches Graues Riesenkänguru knabbert an angespültem Mangrovenschössling, Cape Hillsborough Nationalpark

 

Östliches Graues Riesenkänguru, Cape Hillsborough Nationalpark, Australien

Östliches Graues Riesenkänguru, Cape Hillsborough Nationalpark, Australien

 

Flinkwallaby, Cape Hillsborough Nationalpark, Australien

Flinkwallaby, seinem Namen Ehre machend, Cape Hillsborough Nationalpark, Australien

 

 

 

Um die Kleinstadt Atherton liegt ein relativ kühles, hügeliges Hochland: Das Atherton Tableland. Früher ein undurchdringlicher Urwald in den regenträchtigen Pazifikwinden, heute ein intensiv genutztes Agrarland. An einigen Stellen boten Schluchten, Berge oder felsiger Untergrund dem bäuerlichen Eifer aber soviel Widerstand,  dass Waldreste überlebten, bis ihre Bedeutung als eine der artenreichsten Regionen der Welt gesellschaftliches Allgemeinwissen wurde.  Und da seit einigen Jahren der Naturtourismus kaum weniger einbringt als Zuckerrohr oder Rinder, schrumpfen die letzten Wälder seit ein paar Jahren deutlich langsamer. Immerhin. Ganz ruhig ist es um “Alternativnutzungen” aber nicht geworden. Noch immer streitet man sich in Queensland um den Wert riesiger Araukarien oder Eukalypten, deren Stämme wunderbare Balken abgäben – oder eben Lebensraum für Possums, Honiggleiter und Paradiesvögel bleiben.  Alan Gillanders, ein lokal sehr bekannter Guide (arbeitet u.a. für die BBC und diverse andere TV-Kanäle), hatte da einiges zu erzählen, denn er steht oft genug im Brennpunkt der Debatten.

 

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Das Atherton Tableland, eine unglaubliche Mischung von Zuckerrohrfelderm, Weiden, Plantagen und urtümlichen, extrem artenreichen Wäldern.

 

 

Würgefeige im Curtain-Fig-Nationalpark, Australien

Würgefeige im Curtain-Fig-Nationalpark, Australien. Der uralte Baumgigant ragt wie eine mächtige Kathedreale aus dem umliegenden Wald.

 

 

Australischer Zwerggleitbeutler an Saftlecke, Atherton Tableland, Australien

Australischer Zwerggleitbeutler an Saftlecke, Atherton Tableland. Dies ist der kleinste Gleitbeutler Australiens. Er wiegt gerade mal  17 g!

 

Riesengleitbeutler an Saftlecke, Atherton Tableland, Australien

Und dies ist der Größte: Riesengleitbeutler (mit bis zu 1800 g)  an derselben Saftlecke an einem alten Eukalyptusbaum, einem Red Stringybark, der besonders viel Saft abgibt. Genauso wichtig für die Gleiter sind aber die eher nahrungsarmen riesigen Rose  Gum Eukalypten, die über 50 Meter Höhe erreichen. Diese Giganten bieten den Gleitern die nötigen sicheren Höhlen, aber sie wecken auch heute noch große  Begehrlichkeiten auf dem Holzmarkt.

 

Die Gleitbeutler sind relativ einfach zu fotografieren, wenn man erst einmal die Saftlecken kennt.

 

Großer Streifenbeutler mit einem Kurzkopfgleitbeutler an Saftlecke, Lake Eacham Nationalpark, Australien

Großer Streifenbeutler mit einem Kurzkopfgleitbeutler an Saftlecke, Lake Eacham Nationalpark, Australien

 

 

Wenn man in der Gegend ist, sollte man unbedingt Margit Cianelli besuchen, die bei Atherton die Lumholtz Lodge betreibt. Ein einzigartiges Erlebnis, in ihrem Tierwaisenhaus winzige Kängurus in der Hand zu halten. In freier Natur wäre sowas völlig unmöglich, hier hat es einen eher traurigen Hintergrund. In Australien werden jeden Monat Tausende von Kängurus überfahren, und immer wieder bleiben dann kleine hilflose Waisen in den Beuteln toter Mütter zurück. Margit hat spezielle Methoden entwickelt, um die Säuglinge aufzuziehen.

 

Sehr kleiner Säugling des Östlichen Grauen Riesenkängurus, Atherton Tableland, Australien. Solche Tiere werden manchmal aus den Beuteln von überfahrenen Weibchen gerettet und per Hand aufgezogen, wie dieses.

Sehr kleiner Säugling des Östlichen Grauen Riesenkängurus, Atherton Tableland, Australien. Margit Cianelli hat Methoden entwickelt, solche Säuglinge aufzuziehen.

 

So wohnten wir ein paar Tage sehr komfortabel bei Margit. Dazu ermöglichten Alans Tipps wunderbare Exkursionen und Beobachtungen. So machte er mich darauf aufmerksam, dass das von vielen als so schwierig zu findende und gar zu beobachtende Schnabeltier direkt an dem Fluss , der durch seinen Heimatort fließt, anzutreffen ist.

 

Platypus oder Schnabeltier im Peterson Creek, Yungaburra, Australien. Die Tiere sind hier auch tagaktiv und regelmäßig an dem Flussabschnitt in der Kleinstadt Yungaburra zu sehen.

Platypus oder Schnabeltier im Peterson Creek, Yungaburra, Australien. Die Tiere sind hier auch tagaktiv und regelmäßig an dem Flussabschnitt in der Kleinstadt Yungaburra zu sehen.

 

Natürlich gibt es in der Region auch wieder spektakuläre Laubenvögel, einige direkt in den Siedlungen. Besonders beeindruckend war aber der Säulengärtner, ein kleiner, golden schimmernder Vogel, der eine meterhohe Säule aus kleinen Zweigen über viele Monate aufbaut. Den Balzplatz am Fuß des Bauwerks schmückt er mit gelben Blüten und schimmernden Baumflechten – ein unfaßbarer Anblick.

 

Säulengärtner Laubenvogel dekoriert seine Laube, Mt. Hypipamee Nationalpark, Australien. Die kleinen finkengroßen Vögel bauen riesige säulenartige Lauben aus kleinen Zweigen. Die Laube hat unten einen Querast als Sing- und Sitzwarte und wird um diese Arte herum mit Flechten und gelben Trockenblüten geschmückt.

Säulengärtner Laubenvogel dekoriert seine Laube, Mt. Hypipamee Nationalpark, Australien. Die kleinen finkengroßen Vögel bauen riesige säulenartige Lauben aus kleinen Zweigen (die Säule geht hier noch einen halben Meter weiter in die Höhe!).  Die Laube hat unten einen Querast als Sing- und Sitzwarte und wird um diese Warte herum mit Flechten und gelben Trockenblüten geschmückt.

 

 

Säulengärtner Laubenvogel dekoriert seine Laube, Mt. Hypipamee Nationalpark, Australien. Die kleinen finkengroßen Vögel bauen riesige säulenartige Lauben aus kleinen Zweigen. Die Laube hat unten einen Querast als Sing- und Sitzwarte und wird um diese Arte herum mit Flechten und gelben Trockenblüten geschmückt.

Säulengärtner Laubenvogel dekoriert seine Laube, indem er sorgfältig eine getrocknete Blüte dem Arrangement zufügt.

 

Aber in erster Linie war ich hier, um den Viktoria-Paradiesvogel bei der Balz zu fotografieren.  Das bedeutete frühes Aufstehen und lange Wartezeiten, aber das bin ich ja gewohnt. Ungewohnt war eher, dass die Vögel erstaunlich gelassen mit den vielen Störungen umgehen, die ihnen hier zugemutet werden. Einige Balzwarten liegen direkt an Straßen, wenige Meter neben vorbeidonnernden Lastern. Erfreulicherweise lassen sie sich auch durch das Blitzlicht nicht stören, denn in den dunklen Wäldern war mit Naturlicht nichts zu machen. Im Gegenteil: Wenn Sonne auf den Balzplatz fällt, verlassen die Männchen die Stelle und warten auf den Nachmittag oder den nächsten Morgen.

 

Viktoria-Paradiesvogel beim Balztanz, Curtain Fig Nationalpark, Australien

Viktoria-Paradiesvogel beim Balztanz, Curtain Fig Nationalpark, Australien. Der Anblick ist einfach umwerfend. Die tiefschwarzen Vögel schimmern plötzlich in allen Farben, wenn sie  – gespenstisch leise – ihren spektakulären Tanz aufführen. Sie haben dafür mehrere Tanzwarten in ihrem Revier, zwischen denen sie oft wechseln. Wenn ein Weibchen sich in dem Unterholz nähert, fächert er seine Flügel kreisförmig auf  und richtet sie wie einen Spiegel auf die Angebetete.

 

Viktoria-Paradiesvogel beim Balztanz auf Tanzwarte. Dabei werden die Flügel kreisförmig aufgefächert und ruckartig seitlich geschwenkt, der Kopf dabei zunächst so weit wie möglich vor dem Weibchen verborgen. Er folgt mit seiner Ausrichtung den Bewegungen des Weibchens, die dadurch immer im Fokus des aufgespannten Flügelschirms bleibt.

Viktoria-Paradiesvogel beim Balztanz auf Tanzwarte. Dabei werden die Flügel kreisförmig aufgefächert und ruckartig seitlich geschwenkt, der Kopf dabei zunächst so weit wie möglich vor dem Weibchen verborgen. Er folgt mit seiner Ausrichtung den Bewegungen des Weibchens, die dadurch immer im Fokus des aufgespannten Flügelschirms bleibt.

 

Paarung beim Viktoria-Paradiesvogel auf der Tanzwarte, Atherton Tableland, Australien

Paarung beim Viktoria-Paradiesvogel auf der Tanzwarte, Atherton Tableland, Australien

 

Neben all diesen Regenwaldimpressionen gibt es natürlich auch in den trockenen Regionen – für die Australien ja eigentlich bekannter ist – einiges zu sehen. Der Undara Nationalpark  liegt im Nordwesten Queenslands schon jenseits der Klimascheide der Great Dividing Range. Dort herrscht nicht mehr feuchtkühler Regenwald vor, sondern fast menschenleere, scheinbar endlose dürre Hartlaub-Savanne. Weiter ins Landesinnere wird daraus der bekannte “Outback”, die heiße, lebensfeindliche Inlandswüste Australiens.

 

Emu Weibchen in Trockenbusch, Undara Nationalpark, Australien

Emu Weibchen in Trockenbusch, Undara Nationalpark, Australien

 

 

Undara Campingplatz

Campingplatz bei der Anlage “Undara Experience”. Nachdem das Gebiet vor wenigen Jahrzehnten zum Nationalpark erklärt wurde,  betreibt eine alteingesessene Familie hier eine Hotelanlage auf dem Gelände ihrer ehemaligen Farm. Lagerfeuerromantik gab es bis hierhin eher selten, dafür waren die Bergregenwälder einfach zu “ungemütlich”. Wobei es nachts auch im Undara Park kräftig abkühlte.

 

Das Gebiet ist bekannt für seine kilometerlangen Lavaröhren, die wie U-Bahn-Tunnel den Trockenbusch durchziehen. Vor rund 190 000 Jahren gab es hier mehrere Schübe vulkanischer Aktivitäten, die sehr dünnflüssige Lavaströme produzierten. Die abkühlenden Außenschichten bildeten dann bald feste Röhren, durch die der Gesteinsbrei manchmal noch viele Kilometer weiterfloss (einige Lavaflüsse sind bis zu 160 Kilometer lang gewesen). Seit 1990 sind einige der Röhren zugänglich und ich ließ es mir nicht nehmen, mit Kane Basset, dem Manager der “Undara Experience” Anlage eine Tour auch durch einige der eher unzugänglichen Tunnel zu machen.

 

Lavaröhre im Undara Nationalpark, Australien. Die Undara-Lavaröhren sind ca 190 000 Jahre alt. Sehr flüssige und heiße Lava formte bei Ausbrüchen biss zu 160 km lange Flüsse, die auf weiten Strecken durch erstarrtes Material umschlossen wurden.

Lavaröhre im Undara Nationalpark, Australien. Diese Röhre ist nur durch einen sehr engen senkrechten Einstieg zu erreichen und wird normalerweise  nicht besucht. Durch die Decke wachsen Wurzeln der darüberstehenden Bäume. Alle Lavaröhren sind von teilweise sehr großen Fledermauskolonien besiedelt.

 

Das Gelände bietet sehr gute Möglichkeiten, verschiedene Känguruarten zu beobachten und an einer künstlichen Wasserstelle versammeln sich Unmengen von Vögeln – Wasser ist hier extrem knapp!

 

Allfarbloris an Wasserloch, Undara Nationalpark, Australien

Allfarbloris an Wasserloch, Undara Nationalpark, Australien

 

Wir hätten  noch wochenlang in Queensland unterwegs sein können und es wäre wenig Langeweile aufgekommen. Aber irgendwann mussten wir ja zurück…

 

Mareeba-Felskänguru, Granite Gorge, Australien. Die Tiere sind sehr sprungfreudig und extrem behende.

Mareeba-Felskänguru, Granite Gorge, Australien. Die Tiere sind sehr sprungfreudig und extrem behende.

 

Kämpfende Hähne des Blauen Pfaus, Granite Gorge, Australien. Pfauen sind schon lange in Australien ausgesetzt und leben inzwischen in vielen Regionen wild.

Kämpfende Hähne des Blauen Pfaus, Granite Gorge, Australien. Pfauen sind schon lange in Australien ausgesetzt und leben inzwischen in vielen Regionen wild.

 

Den Abschluss machten einige Ziele im Norden Queenslands, wie die Granite Gorge bei Mareeba mit den zutraulichen Mareeba-Felskängurus: Einer seltenen Unterart, die  nur hier vorkommt. Die Kingfisher-Lodge bei Julatten bot noch einmal reichlich Vogelmotive und der Daintree Nationalpark mit seinem urigen Küstenregenwald  sollte ja auch  nicht verpasst werden. Wenn es dort regnet, ist es wenigsten nicht kalt!

 

Regenwald im Daintree Nationalpark, Queensland, Australien

Regenwald im Daintree Nationalpark, Queensland, Australien. Kaum zu vermeiden, hier einen kräftigen Guss abzubekommen. Aber der Wald liegt nicht hoch und die Temperaturen bleiben auch im Regen angenehm.

 

Eilseeschwalbe zwischen Rußseeschwalben und Küken im Michaelmas Cay Nationalpark, Großes Barriere Riff, Australien,

Eilseeschwalbe zwischen Rußseeschwalben und Küken im Michaelmas Cay Nationalpark, Großes Barriere Riff, Australien. Links hinten ein Weißbauchtölpel.  Obwohl die Brutsaison gerade begann, bot die Michaelmas Cay Insel schon einen sehr intensiven Eindruck der Artenfülle der pazifischen Vogelwelt.

 

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Ein Rotfeuerfisch im Großen Barriere Riff, Australien. Leider war das Wasser recht aufgewühlt und die Sichtweiten oft unter 10 Metern.

 

Von Cairns, unserer letzten Station,  ging es natürlich zum krönenden Abschluss ins Große Barriere Riff: Die Michaelmas Cay Vogelinsel war schon sehr gut von den heimischen Seevögeln besucht, obwohl die Brutsaison Ende Oktober  noch nicht voll  angelaufen war.  Das Tauchen in dem weltberühmten Riff war dann leider etwas enttäuschend.  Monatelange heftige Winde hatten das Wasser derart aufgewühlt, dass von dem so oft angepriesenem glasklaren Tropenwasser nicht die Rede sein konnte. Meine Fotoausbeute unter Wasser war also recht überschaubar. Aber irgendeinen Abstrich muss  man ja machen, und wenn es nur der ist…

 

 

Juli/August 2015: Im Land der Waldgeister – Madagaskar

Madagaskar zählt zu den Regionen, die schon lange auf meinem Reiseplan stehen, aber irgendwie nie erreichbar schienen. Da meine Frau nun aus dem aktiven Dienst ausgeschieden ist, sind kurzfristige Exkursionen möglich und so fassten wir endlich dieses ferne, lockende Ziel ins Auge. Madagaskar ist kein einfaches Reiseland, und wir nahmen uns auch nur eine sehr simple Route vor, die aber gute Möglichkeiten bot, einen fotografischen Querschnitt durch die wichtigsten Tiergruppen und einige Parks zu bekommen. Harinesy  Mananjaraniriana, – oder kurz: Nesy – von bandroreisen aus Antananarivo organisierte alles perfekt und Andriafaralahy Jocelyn Nirina – kurz Joce – fuhr uns sicher an unsere Ziele – viele Informationen am Rande inklusive.

 

Die ländlichen Regionen von Madagaskar sind bitterarm und jede verfügbare Fläche wird genutzt um Reis oder Brennmaterial anzubauen.

Die ländlichen Regionen von Madagaskar sind bitterarm und jede verfügbare Fläche wird genutzt um Reis oder Brennmaterial anzubauen. Hier der Stadtrand von Andasibe.

 

Die Reisezeit lag im kühlen Südwinter, der zudem noch vergleichsweise trocken ist. Das hat im Regenwald nicht allzu viel zu sagen, aber wir hatten tatsächlich nur relativ wenige Regentage und konnten uns meist gut bewegen. Leider war das Insekten- und Reptilienleben dadurch etwas eingeschränkt, viele kleine Lemuren und Chamäleons halten dann in den höheren Waldgebieten einen Winterschlaf. Doch die Fotomöglichkeiten übertrafen trotzdem noch bei weitem meine Erwartungen – im Portfolio werde ich demnächst weitere Beispiele einstellen.

 

Blick auf den Primärregenwald des Analamazaotra Nationalparks, Madagadskar. Eine winzige Restfläche der Regnwälder, die früher die gesamte Ostküstenregion bedeckten.

Blick auf den Primärregenwald des Analamazaotra Nationalparks, Madagadskar. Eine winzige Restfläche der Regenwälder, die früher die gesamte Ostküstenregion bedeckten.

 

Wer von Madagaskar spricht, muss von Chamäleons sprechen - hier ein Pantherchamäleon im Unterholz. Madagaskar scheint die Urheimat aller lebenden Chamäleons zu sein und hat noch immer die größte Artenvielfalt dieser faszinierenden Reptilien.

Wer von Madagaskar spricht, muss von Chamäleons sprechen – hier ein Pantherchamäleon im Unterholz. Madagaskar dürfte die Urheimat aller lebenden Chamäleons zu sein und hat noch immer die größte Artenvielfalt dieser faszinierenden Reptilien.

 

Indri im privaten Schutzgebiet La Palmeraie. Lemuren haben einen umwerfenden "Niedlichkeitsfaktor" dem sich kein Betrachter entziehen kann. Trotzdem werden sie von der armen Bevölkerung heute fast überall für den Topf gewildert.

Indri im privaten Schutzgebiet La Palmeraie. Lemuren haben einen umwerfenden “Niedlichkeitsfaktor” dem sich kein Betrachter entziehen kann. Ihr lautloses, fast schon gespenstisch wirkendes Treiben gab diesen “Halbaffen” früh den Namen, der an alte römische Hausgeister angelehnt ist. Indris können übrigens beeindruckende , sirenenartige “Konzerte” geben, ähnlich wie die Gibbons Südostasiens.

 

Coquerel´s Sifaka im Sprung, La Palmeraie. Lemuren scheinen nicht den Gesetzen der Schwerkraft unterworfen, wenn sie wie federleichte Gummibälle zwischen den Bäumen des Regenwaldes herumspringen.

Coquerel´s Sifaka im Sprung, La Palmeraie. Lemuren scheinen nicht den Gesetzen der Schwerkraft unterworfen, wenn sie wie federleichte Gummibälle zwischen den Bäumen des Regenwaldes herumspringen. Früher waren Lemuren durch zahlreiche Tabus geschützt, heute werden sie aber von der armen Bevölkerung in vielen Regionen für den Topf gewildert.

 

Auf stundenlangen Nachtwanderungen durch das dichte Unterholz verraten sich die gesuchten Tiere über ihre refelktieren Augen, die das Licht der Lampen zurückspiegeln.

Auf stundenlangen Nachtwanderungen durch das dichte Unterholz verraten sich die gesuchten Tiere über ihre reflektierenden Augen, die das Licht der Lampen zurückspiegeln (La Palmeraie).

 

Ein Östlicher Wollmaki, einer der vielen nachtaktiven Lemuren La Palmeraie. Bei direkter Beleuchtung sind die reflektierenden Augen nachts gut zu erkennen.

Ein Östlicher Wollmaki, einer der vielen nachtaktiven Lemuren Madagaskars. Bei direkter Beleuchtung sind die reflektierenden Augen nachts gut zu erkennen.

 

Goodman's Mausmaki, nachts im Mitsinjo Park bei Andasibe. Das Tier sitzt in einer Blattachsel des Baums der Reisenden.

Goodman’s Mausmaki, nachts im Mitsinjo Park bei Andasibe. Das Tier sitzt in einer Blattachsel des Baums der Reisenden.

 

Diese erste Reise hat Appetit auf mehr gemacht, zumal wir ja eine sehr kurze und einfache Route gewählt hatten, die nur einen kleinen Ausschnitt der Lebensräume auf der Insel umfasste. Dafür verbrachten wir aber wenig Zeit auf der Straße und sehr viel in den Wäldern – was ja die ganze Idee bei der Sache war.

 

Juni 2015: An der Mecklenburgischen Seenplatte

Seit einigen Jahren zieht es mich jeden Sommer für ein paar Tage in meine alte Heimat, die Mecklenburgische Seenlandschaft an der Müritz. Immerhin liegt meine Geburtsregion nicht fern: Die Umgebung von Malchin,  wo es aber keine persönlichen Verbindungen mehr gibt. Dafür lockt in einer für Deutschland noch immer traumhaft natürlichen Landschaft eine beeindruckende Vogelwelt.

 

Flussseeschwalbe beim Füttern, Hechtsee, Mecklenburg-Vorpommern

Flussseeschwalbe beim Füttern, Hechtsee, Mecklenburg-Vorpommern

 

Diesmal traf ich endlich Fred Bollmann, der als Ranger in der Nationalparkverwaltung gearbeitet hat und die Tierwelt der Region kennt, wie kaum ein Anderer. Er hat in der Tierfilmer- und Fotografenszene einen ganz besonderen Ruf und er machte mir dann auch einige Arten zugänglich, die ich bisher nur unbefriedigend vor der Kamera hatte.

 

Eisvogel auf Sitzwarte, Mecklenburgische Seenplatte

Eisvogel auf Sitzwarte, Mecklenburgische Seenplatte

 

Lachmöwen mit Küken, Mecklenburg-Vorpommern. Lachmöwen brüten oft weit von der Küste entfernt an kleinen Gewässern (Lachen!)

Lachmöwen mit Küken, Mecklenburg-Vorpommern. Lachmöwen brüten oft weit von der Küste entfernt an kleinen Gewässern (Lachen!)

 

Dann lohnt es sich durchaus, mal nicht in die Ferne zu schweifen. Es muss nicht immer Afrika sein!

 

 

 

 

März/April 2015: Zurück im “Dornigen Land”

Buffalo Springs Reservat

Wie in alten Zeiten: Grevy Zebras im Buffalo Springs Reservat. Doch der Eindruck täuscht – die Halbwüstenreservate nördlich von Isiolo haben in den letzten 25 Jahren deutlich an Tierleben verloren

 

Der Kontrast zum eisigen Ausflug in den Nordatlantik hätte nicht viel größer sein können: Im März erreicht am Äquator die Sonne ihren Höchststand, und entsprechend warm wird es dann in Kenia. Doch wir hatten uns schon seit Langem vorgenommen, endlich mal wieder die Reservate Samburu und Buffalo Springs zu besuchen, in denen wir mit der Familie 1991/92 ein wunderbares Jahr verbracht hatten (Dreharbeiten “Dorniges Land” und “Flüsse aus Sand”). Das Land war wie erwartet sehr trocken und der Ewaso Nyero Fluss oberhalb des Einmündung des Isiolo River ausgetrocknet. Elefanten gruben im Flussbett nach Wasser und Scharen von anderen Tieren nutzten die Löcher, um sich mit dem lebenserhaltenden Schluck zu versorgen.

 

Elefanten im Ewaso Nyero Fluss

Der Ewaso Nyero Fluss war im März ausgetrocknet und Hunderte Elefanten gruben im Flussbett nach Wasser.  Viele andere Wildtiere, nicht nur Paviane, nutzten diese Wasserlöcher, die täglich tiefer gegraben wurden.

 

Mit Kasao Learat fuhr ich außerdem auch einmal wieder nach Marsabit, wo ich 1995 den Film “Jenseits der Wüste” gedreht hatte. Der abgelegene Nationalpark hat noch immer einen prächtigen Nebelwald, der selbst Kasao beeindruckte, und der kennt sich ja nun wirklich in Kenia aus. Lake Paradise, wo ich seinerzeit das wohl schönste Camp bei allen Afrikareisen hatte, war noch immer das überwältigende strahlende Juwel, das völlig unvermutet im  Wald auftaucht – und der liegt immerhin mitten in einer Wüste!

 

Nebelwald im Marsabit Nationalpark

Nebelwald im Marsabit Nationalpark. Die klimatischen  und geologischen  Besonderheiten des alten Vulkanmassivs erzeugen mitten in der kargen Chalbi Wüste einen üppig grünen, triefend nassen Nebelwald.

 

Lake Paradise

Lake Paradise, noch immer ein strahlendes Juwel, überlebenswichtige Tränke für die Marsabit-Elefanten und ein Vogelparadies in einem fast kreisrunden Vulkankrater.

 

Es gab Befürchtungen, Lake Paradise würde von eingeschleppten Pflanzen überwuchert und deshalb schnell verlanden. Davon war im März 2015 glücklicherweise nichts zu bemerken. Der Wasserstand war sogar leicht höher als in den neunziger Jahren und die Wasserpflanzen nahmen kaum größeren Platz ein. Leider waren keine Blässhühner am See, so dass die Schreiseeadler sich sehr zurückhielten. Auch die Elefanten waren nur schwach vertreten, was aber wohl daran lag, dass es nun überall im Park Wasserstellen gab.

 

Samburu

Das Wasser, das von der üppigen Vegetation im Nebelwald aus den Wolken gezogen wird, ist nach wie vor Lebensader nicht nur für die Tierwelt, sondern auch für eine mittlerweile stattlich angestiegene Population in der Region Marsabit. Selbst Samburu Hirten, weit aus dem Süden, haben ihre Herden an das Massiv getrieben und halten es mit dem  Wasser des Waldes am Leben.

 

Zurück  im Samburu Reservat spitzte sich die Trockenheit weiter zu. Während ringsum weit entfernt die ersten Güsse der Regenzeit niedergingen und die Elefanten aus dem Reservat lockten, fiel in der Region Archers Post mit dem Samburu- und dem Buffalo Springs Reservat kaum Niederschlag. Schon seit Monaten hatten die Hirten aus den Siedlungen ringsum ihr Vieh in die Reservate getrieben (was ihnen eigentlich nur in extremen Notzeiten gestattet ist), nun übernahmen sie völlig die Schutzgebiete. Tausende Kühe, Schafe, Ziegen und Kamele zogen durch das Gebiet und wurden an den Wasserlöchern im Ewaso Nyero getränkt. Es wird dann schnell verständlich, warum Samburu und Buffalo Springs weitgehend tierleer sind – obwohl sich gerade in der Trockenzeit das Wild am Fluss massieren sollte.  Die Überweidung nimmt dramatische Ausmaße an,  und beängstigend wenige Tiere harren noch auf einem winzigen Gebiet von wenigen Quadratkilometren nördlich vom Larsen Camp und dem “Elephants Bedroom Camp” aus. Die Ranger haben keine Vollmachten einzugreifen, es ist politisch so gewollt. Ein Teufelskreis ist hier in Gang gekommen, denn der Tourismus leidet stark unter der sinkenden Attraktivität der Schutzgebiete, zumal Kenia zur Zeit nicht gerade mit einladenden Schlagzeilen werben kann. Tragischerweise sind die überhöhten Viehbestände wirtschaftlich weitgehend nutzlos und fördern nur das Ego der Besitzer, da sie kaum je gehandelt werden.

 

Ziegen im Samburu Reservat

Ziegen im Samburu Reservat: Auf dem völlig überweideten Boden ist nichts mehr zu holen. Ziegen sind berüchtigt dafür, alles Laub  in Reichweite zu nutzen und die  Vegetation extrem zu schädigen.

 

Weißkehlspint an Bruthöhle

Weißkehlspinte brüten selten in Kenia und sind meist nur auf dem Durchzug.  Am ausgetrockneten Ewaso Nyero hatten sie aber einige Bruthöhlen in den flachen Uferbänken angelegt und fütterten fleißig Junge.

 

Camp Samburu

Es war unsere letzte Tour mit dem bewährten Landrover, der uns zum zweiten Heim in Kenia geworden war. Das Lager am Ewaso Nyero war (bis auf einen tagelangen Masseneinfall von Studenten) durchaus idyllisch, aber mit unserem Camp vor 25 Jahren natürlich nicht zu vergleichen.

 

Ginsterkatze

Eine Ginsterkatze war gerne gesehener Gast im Camp.

 

Februar 2015: Eisland eiskalt

 

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Wenige Stunden Sonnenschein ließen die “Frühlings”-Pracht Islands aufscheinen (Godafoss Februar 2015).

 

Nachdem der Bardarbunga Vulkan ja nun schon seit September 2014 aktiv war, drängte es mich immer mehr, ihn endlich einmal selbst zu erleben. Islands kurze Wintertageszeiten und das notorisch schlechte Wetter sorgten immer wieder für Verschiebungen, bis ich mir dann in der zweiten Februarhälfte ein Zeitfenster von einer Woche für einen Flug über die Holuhraun Eruptionsspalte setzte – in der Hoffnung, dabei wenigsten einen Tag mit guten Flugwetter zu haben.

 

 

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Autofahren auf Island: Into the White… 

 

Leider entsprach das Wetter den Befürchtungen. Da Kleinflugzeuge nur von der zweitgrößten isländischen Stadt Akureyri im Norden der Insel zu Flügen über den Bardarbunga starten, hatte ich zunächst über 400 Kilometer der Ringstraße vor mir – die letzten Pässe vor Akureyri in blendendem Weiß. Land und Himmel waren nicht mehr zu unterscheiden, als flöge man durch einen gespenstischen Traum.

 

 

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Für einen Tag brach dann aber doch die Sonne durch: Die Solfataren östlich vom Myvatn See dampften bei minus 15 Grad prächtig – im schneidenden Wind fühlte es sich schon ziemlich arktisch an!

 

 

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Die Holuhraun-Eruptionsspalte förderte in den letzten Monaten 1,5 Milliarden Kubikmeter Lava, die nun eine Fläche von der Größe Manhattans bedeckt. Von der mittlerweile zur Ruhe gekommenen Lavafront steigt Dampf auf und Schmelzwasser fließt das geringe Gefälle herab.

 

 

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Die beeindruckenden Fontänen der Eruption (der größten auf Island seit 400 Jahren) sind in den letzten Wochen zum Erliegen gekommen. Ein brodelnder Lavasee von etwa 50 Metern Durchmesser erinnert nun daran, dass sich bisher nur 1% der Magmakammer entladen hat! Die Sorge bleibt, dass dieses Magma unter dem Gletscher des Bardarbunga ausbrechen und erneut eine riesige Aschewolke über Nordeuropa produziert werden könnte.

 

 

Oktober 2014: Unter Räubern: Bei alten Bekannten in Kenia

Im Oktober 2014 gönnte ich mir nach vielen Drehreisen endlich mal wieder die Masai Mara ohne Filmkamera.  Dafür konnte ich umso besser meinen Fotokameras die Sporen geben.  Nach langer Zeit besuchte ich auch mein altes Warzenschwein-Studiengebiet  im Westen des Reservats wieder einmal. Heftige Regenfälle trübten das Vergnügen und gleich am ersten Abend saß ich mit meinem Land Rover so fest, dass mich nur noch ein Traktor herausziehen konnte. Aber auf beiden Seiten des Mara führte jeweils ein Gepardweibchen 5 Junge und so mangelte es nicht an Motiven. Und die gelegentlichen düsteren Wolkenwände gaben spektakuläre Kulissen für die altbekannten Tierfilmstars.

 

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Mein altes Studiengebiet unter dem Oloololo Escarpment hat zwar nicht mehr so viele Warzenschweine wie 1983/84, …

 

 

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… aber als Bühne  für Gepardjagden taugt es allemal!

 

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Rückwärts im Regen – direkt in ein Warzenschweinloch. Die Bilder der Elefanten im Regensturm waren es nicht unbedingt wert, aber mit dem Wagenheber konnte ich mich nach dem Guss selbst befreien.

 

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So eine Kulisse hätte ich mir für die Stars des Löwenzweiteilers gewünscht!

 

Für die letzten Oktobertage kam meine Frau nach Masai Mara. Nach all den Löwen und Geparden (und Touristen) zog es uns bald in ruhigere Gefilde. So besuchten wir alte Freunde und machten Abstecher an die Seen Baringo und Bogoria. Der Wasserstand der Riftseen steigt noch immer und die Ursache dafür ist weiterhin ungeklärt. Viele schöne Camps sind untergegangen oder nur noch als klägliche Reste nutzbar. Der sehr hohe Pegel des Bogoria Sees bietet den Flamingos nur noch wenige flache Uferstellen, die sie zum Fressen und Rasten so gerne nutzen. Einer der letzten flachen Strände liegt nun dicht an der Siedlung beim Parkeingang – was verwilderte Haushunde zu ausgiebigen Flamingojagden nutzen!

 

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Verwilderter Haushund jagt Flamingos im Bogoria See. Die grauen Dornsträucher im Hintergrund sind abgestorbene Akazien, deren Wurzeln im angestiegenen Salzwasser erstickten. 

 

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Sternenhimmel über dem Bogoria See. Inzwischen sind einige neue Plätze zum Campen angelegt und in dem selten besuchten Park ist man nachts meist völlig allein. Bogoria hat in den letzten Jahren seinen Charakter sehr stark durch die Überflutungen geändert. Noch hat sich kein neues Gleichgewicht eingestellt und die Landschaft wandelt sich von Jahr zu Jahr. 

 

 

Ende August 2014: Hoch hinaus – Alpine Panoramen in Südtirol

Als typische Flachlandtiroler wurde es hohe Zeit für uns, einmal den Dolomiten Respekt zu zollen. Für mich (zugegebenermaßen kein Maßstab was Gebirge angeht) eine der schönsten und spektakulärsten Berglandschaften der Welt. Erfahrene Freunde nahmen uns Ende August 2014 “an die Hand” und zeigten uns einige ausgewählte Stellen, was durch das ziemlich miese Wetter nicht ganz einfach war. Es reichte bei weitem, um uns gehörig zu beeindrucken!

 

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Beeindruckende Dolomiten, selbst bei düsterem Wetter.

 

 

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Eingang zur “Feldwache 4”. Vor der Kulisse der Tofanagruppe spielten sich im Ersten Weltkrieg zermürbende Kämpfe im Gebirge ab.

 

Ausgedehnte Bergwanderungen fielen dem Regen zum Opfer, aber die Sonne zeigte sich wenigstens gelegentlich. Es reichte sogar für ein zünftiges Alpenglühen auf dem wunderbaren “Rosengarten”, einem Rest eines uralten Korallenriffs, der für solche farbenprächtigen Schauspiele bekannt ist.

 

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Der Rosengarten bei Sonnenuntergang. Vor rund 250 Millionen Jahren von winzigen Blumentieren erbaut und beim Zusammenstoß der europäischen mit der afrikanischen Kontinentalplatte empor gedrückt, bietet der Gebirgsstock bei entsprechendem Wetter abends einen farbenprächtigen Anblick.

 

Ergebnis sind einige majestätische Panoramen von teilweise über 20 000 Pixeln Seitenlänge. Das langt für eine Zimmerlänge…

 

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Der Piz Boe

 

 

 

 

Juli/August 2014: Feuchtes Vergnügen – Küstenregenwälder in Costa Rica

Nachdem wir bei unserer ersten Reise nach Costa Rica 2007 vor allem die Vulkane in den höheren Regionen besuchten, zog es meine Frau und mich Juli/August 2014 in die flacheren Küstenregionen. Costa Rica hat hier zwei außergewöhnliche Schutzgebiete, die letzte Reste der schwer unter dem Siedlungsdruck leidenden Küstenregenwälder umfassen: Den Corcovado Nationalpark an der Pazifikküste und den Tortuguero Nationalpark auf der karibischen Seite des Landes.

 

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Der Corcovado Nationalpark: Küstenregenwald am Pazifik

 

Beides artenreiche üppige Wälder – aber die exotische Schönheit zeigt sich zunächst spröde. Nur mit Hilfe von erfahrenen Guides hat man eine Chance, viele Tiere fotografisch halbwegs angemessen vor die Linse zu bekommen, und das ist dann noch immer ein extrem schweißtreibendes Vergnügen. Auf der pazifischen Seite kamen wir wunderbar in der Finca Exotica unter, was einige Bildmotive direkt in der Anlage unter sehr angenehmen Bedingungen ergab.

 

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Totenkopfäffchen

 

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Braunschwanz-Amazilie an Helikonie.

 

Yery Benito Cubillo ging zudem mit mir in den Corcovado Park und seinen scharfen Augen entging nichts! (mir dagegen entging schon einiges, weil der Schweiß die Brille so manches Mal schier undurchsichtig machte…)

 

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Neugierig: Junger Gelbkopfchimanga, ein Verwandter des Karakara, beim Corcovado Nationalpark

 

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Überrascht: Baird-Tapir im Corcovado Nationalpark

 

Auf der Karibikseite wohnten wir sehr bequem in der Tortuga Lodge; hier half mir der Guide Gustavo Camacho bei den spannenden Nachtexkursionen. Die bekannte deutsche Biologin Barbara Hartung zeigte mir vom Boot und zu Fuß so manche zoologische Kostbarkeit – nicht zuletzt die Jesus Christus Echsen, die ich mir als Motiv “in action” bei ihrem legendären Gang übers Wasser vorgenommen hatte.

 

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“Schreitet übers Wasser” – Die Jesus Christus Echse, Tortuguero Nationalpark

 

Grüner Leguan

Foto: Gabriele Mierke-Radke

Aug in Aug mit dem Grünen Leguan, Tortuguero Nationalpark

 

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Brüllaffen ganz leise, Tortuguero Nationalpark

 

Mein Bildarchiv hat nun jedenfalls deutlich mehr zur zentralamerikanischen Flora und Fauna zu bieten: Vom Tapir über alle lokalen Affenarten bis zum Nasenbären, glitzernde Kolibris an farbenprächtigen Blüten, Greife und selbst der seltene Quetzal im kühlen Bergnebelwald ergänzten meine Sammlung, ganz zu schweigen von den amphibischen Juwelen der Baumsteigerfrösche im nächtlichen Wald.

 

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Unvermeidliche Ikone Costa Ricas: Rotaugenlaubfrosch im nächtlichen Regenwald, Tortuguero Nationalpark

 

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Quetzal Weibchen im ersten Morgenlicht, Nebelwald am Cerro de la Muerte

 

Nicht zu vergessen natürlich diverse Impressionen der tropischen Vegetation, von grazilen Blütenkostbarkeiten bis zu Waldpanoramen unter peitschendem Regen.

 

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Bergnebelwald im Braulio Carrilla Nationalpark am Osthang der Zentralen Kordilliere

 

Man kann nicht sagen, wir hätten uns gelangweilt…

 

 

 

Februar/März 2014: Hungerzeiten – Zweiter Löwendreh

Wie in der Einführung des Löwenthemas schon angedeutet, sollte es um die Schwierigkeiten gehen, die Löwenmütter bei der Aufzucht ihres Nachwuchses haben. Der erste Löwendreh im September/Oktober deckte ja die “fette Zeit” für die Jäger ab, denn dann zieht die Gnuwanderung durch das Mara-Gebiet (s. Filmaufstellung: “Das Tal der Löwen”). In diesem Jahr ging es um die harten Monate: Februar und März gehören zur schwierigsten Zeit für Mara-Löwen, denn die Herden sind weit weg im Süden und die lokalen Beutetiere bieten nur karge Kost.

Leeres Land

Hungerzeiten für Löwen: Wenn die Wanderherden im Süden sind, gibt es für die Löwen im Masai Mara Gebiet wenig zu beißen. In der endlosen Graswüste finden sie nur wenige Warzenschweine. Viele Jungtiere verhungern nun, weil die Mütter keine Milch mehr geben.

 

Bei unserer Ankunft gab es zunächst eine Überraschung: Es hatte zum Jahresanfang – meist eine eher trockene Zeit – überdurchschnittlich viel geregnet und das Land strahlte in sattem Grün: Quadratkilometerweise wogten Grasähren meterhoch und diverse Tümpel boten reichlich Trinkgelegenheiten. Gut für Antilopen und Gazellen, aber schlecht für Löwen. Die mussten sich nun nämlich mit topfitten Grasfressern auseinandersetzen, die zudem die jeweils sichersten Gebiete aufsuchen konnten: In zusammengedrängten Gruppen hielten sie dort das Gras übersichtlich kurz und nutzten nur die offenen, ungefährlichen Wasserstellen zum Trinken. Zwischen solchen Versammlungsstellen erstreckte sich aber über Dutzende Kilometer ein weitgehend leeres Land, Wehe den Rudeln, die keine Grasfresser-Treffpunkte in ihrem Revier hatten! Paradoxerweise führten also für die Tierwelt eigentlich günstige Verhältnisse zu einer Verschärfung der Situation für die Löwen.

Die Konsequenzen waren vom ersten Drehtag an offenkundig. Die kleine Familie, die schon im Oktober des letzten Jahres durch Büffel zwei Junge verloren hatte, stand vor der nächsten Katastrophe: Die letzten beiden überlebenden Jungtiere waren so ausgehungert und geschwächt, dass sie dem Weibchen kaum noch folgen konnten. Eines starb noch am Abend des ersten Drehtages – und wurde von der Mutter “recycelt”, also aufgefressen. Auf filmische Dokumentation verzichtete ich. Die Gruppe kam damit immerhin über ein paar weitere Tage.

Verhungerndes Löwenjunge

Am Ende: Im Oktober 2013 entkam dieses Junge der Büffelattacke, der zwei seiner Geschwister zum Opfer fielen. Doch Mitte Februar war es nach wochenlangem Hunger so geschwächt, dass es der Mutter nicht mehr folgen konnte.

 

Es wurde einer der eher mühsamen Drehs. Löwen nachts bei dem hohen Graswuchs zu folgen ist kein Vergnügen. Auf dem Schirm der Wärmebildkamera zeigte sich weit und breit kein Leuchtpunkt, in dem tierleeren Land legten die Löwen erfolglos große Strecken zurück. Und wie ich schon befürchtet hatte, waren es ausgerechnet “meine” Warzenschweine, die die Zeche zahlen mussten! In den Graswüsten waren sie oft die einzigen Beutetiere, die den Katzen noch blieben. Beide, Jäger und Gejagte, waren im Dschungel der Halme in ihrer Orientierung stark behindert. Die Einen schwebten ständig in Gefahr überrascht zu werden, die Anderen mussten tagelang suchen und verloren immer wieder die sicher geglaubte Beute im flirrenden Gewirr der Ähren.

Und der Kameramann fluchte so manches Mal, wenn die Protagonisten gerade in den entscheidenden Sekunden wieder im “Getreidefeld” verschwanden.

Löwin mit Beute

Eine Löwin hat im hohen Gras einen Warzenschweinkeiler gerissen. Warzenschweine waren im Februar/März oft die einzigen verfügbaren Beutetiere für Löwen auf Dutzenden von Quadratkilometern.

 

September/Oktober 2013: Löwennächte

September und Oktober 2013 waren den Löwen der Masai Mara gewidmet. Gemeinsam mit Kasao Learat, der wieder als Spotter und Assistent für mich arbeitete, ein faszinierendes Unternehmen. Man möchte meinen, ein Heimspiel auf einem vertrauten Terrain. Doch ich tastete mich erneut an Grenzen, was technische Möglichkeiten und neue Erkenntnisse an scheinbar alten Bekannten, den Löwen, betrifft.

In einem neuen Projekt für Doclights in Hamburg sollte es um die Schwierigkeiten gehen, die Löwenmütter bei der Aufzucht ihres Nachwuchses haben. Ganz richtig, nicht nur Gepardmütter haben da so ihre Sorgen. Und die von Löwinnen sind nicht unbedingt leichter zu nehmen. Auch ihren Sprösslingen drohen zahlreiche Gefahren, von marodierenden fremden Löwen bis hin zu vergeltungswütigen Büffeln, die den Nachwuchs ihrer Todfeinde bei jeder sich bietenden Gelegenheit gnadenlos umbringen. Es berührte uns zutiefst, das Leiden einer Löwin mitzuerleben, die die Konsequenzen eines derartigen Angriffs ertragen musste – der stattfand, als sie sich gerade größte Mühe gab, Gnus ums Leben zu bringen…  Zu einem besonderen Erlebnis wurde der Dreh aber, weil ich mit einer Wärmebildkamera zum ersten Mal auch in stockfinsterer Nacht Löwen bei ihrem Treiben verfolgen konnte. Was nicht nur Genuss bedeutete. Nachts im Gelände ohne Scheinwerfer unterwegs zu sein, hat so seine Tücken!


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Vorbereitung für eine lange kalte Nacht: Während ich die Thermokamera vorbereite, behält Kasao die Löwen im Auge. Es ist schier unfassbar, wie schnell die Katzen einem nachts entwischen können. Ohne Kasao hätte ich sie selten für mehr als ein paar Minuten verfolgen können.

 


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Kasao Learat hat sich zu einem unverzichtbaren Mitarbeiter entwickelt. Aufgewachsen als Samburu im Busch Nordkenias ist er mit der Natur Kenias von Kindheit an vertraut. Nach diversen Stationen unter anderem als Patrouillenführer in der Wildereibekämpfung für den Kenya Wildlife Service arbeitete er als Campmanager und nun als unabhängiger Guide. In den Tierfilm kam er eher zufällig, weil sich bei einer Gepardpirsch in Masai Mara gerade ein anregendes Gespräch mit einem Paar aus Deutschland ergab…


Kasao erwies sich dabei als absolut katzenäugig. Unglaublich, wie er sich in stockdunkler Nacht mit dem Wagen durch halbmeterhohes Gras tastete, Felsen erspürte, Warzenscheinlöcher erahnte, – und dabei immer noch die generelle Orientierung behielt!! Ich konnte ihm aus der Dachluke immer nur die Richtung der Löwen vorgeben, die mir das Thermobild der Kamera zeigte. Eingestellt auf die Helligkeit des Kamerascreens sahen meine Augen praktisch nichts mehr von der Umgebung. Kasao, einen Meter unter mir am Steuer und außerhalb des Lichtkegels des Bildschirms, nahm aber noch weitgehend das Gelände wahr. Am Ende eines kalten Abends, wenn uns die Katzen entweder doch entkommen waren (was in dem zerklüfteten Tal, in dem wir arbeiteten, nie zu vermeiden war), oder eben ihr abendliches Ziel erreicht hatten, sich also an warmen Fleisch ergötzten, wusste Kasao grundsätzlich immer (!!) wo sich in der Finsternis wohl sein eigener Wagen befinden müsste! Den wollten wir natürlich finden, damit sich endlich jeder in seinen warmen Schlafsack wickeln konnte, denn lange Heimfahrten gab es mitten in der Nacht nicht mehr.


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Das schwache Licht des Bildschirms genügte, um mich völlig nachtblind zu machen. Kasao, unten am Steuer, hielt seine Augen an die Nacht angepasst und fuhr mich ohne jedes zusätzliche Licht durch die afrikanische Savanne, so wie die Löwen es uns vorgaben.


Der Schnitt in Hamburg Ende 2013 machte keine Probleme, es gab mehr als genug Material um die Geschichte der Löwenmütter zu transportieren und in die uns so fremde Welt der nächtlichen Jagden einzutauchen. Allein – die Neugier war geweckt! Was passiert in der Trockenzeit Februar /März? Schaffen es die Mütter, ihre schon arg dezimierten Familien durch die karge Zeit zu bringen? Können die Revierlöwen die Eindringlinge an ihrer östlichen Grenze in Schach halten?

Ende März werden wir es hoffentlich wissen – bis dahin!


Schichtende, für die Löwen wie für uns - und nach der Jagd konnte auch mal ein Blitzgerät eingesetzt werden. Erst wenn wir das Rudel in der Finsternis verloren, was in dem Gelände leider nie auszuschließen war, oder wenn sie Erfolg hatten, war endlich Drehschluss. Das bedeutete so manches Mal Arbeitstage von mehr als 18 Stunden und ganz gewiss nicht nur kälteklamme Finger!

Schichtende, für die Löwen wie für uns – und nach der Jagd konnte auch mal ein Blitzgerät eingesetzt werden. Erst wenn wir das Rudel in der Finsternis verloren, was in dem Gelände leider nie auszuschließen war, oder wenn sie Erfolg hatten, war endlich Drehschluss. Das bedeutete so manches Mal Arbeitstage von mehr als 18 Stunden und ganz gewiss nicht nur kälteklamme Finger!