In den neunziger Jahren spielte ich mit den damals neuesten Techniken, die im deutschen Tierfilm seinerzeit noch nicht in der Breite angekommen waren. Einige Beispiele sind also nicht uninteressant für die damalige Entwicklung. Inzwischen bin ich weitgehend von den technischen Gimmicks abgekommen und konzentriere mich in meinen letzten Filmen auf intensive Verhaltensstudien, bei denen es auf eine hochmobile Kamera und schnell einsetzbare Technik ankommt, die keine langen Vorbereitungen erfordert.

Ferngesteuerte HS Kamera an Nestersatz für Trauerseeschwalben, Berlin, 1991 (Die Seeschwalben waren an die Handhabung durch Betreuer gewöhnt)

Wie alle gutmeinenden Tierfilmer versuchte ich zunächst, möglichst oft Naturschutzaspekte in die Filme einzubauen. Das hat den Zuschauern nicht immer gefallen – sie suchen in dem Genre meist den Traum von Mutter Natur und wenn sie dann den kalten nassen Lappen der Realität ins Gesicht bekommen, wird das eher als aufdringliche Störung denn als wichtige Information empfunden (zumal selten Lösungen angeboten werden können).

Vorbereitung einer Kranaufnahme, Galápagos, 2003 (Foto: Walter Cruz)

Auschnitte aus 16mm Filmen (1988 -2004)

Auschnitte aus dem Zweiteiler „Nakuru“, ZDF 1997

Ein kurzer Ausschnitt aus dem zweiten Teil des Nakuru Zweiteilers, „Nakuru – Hoffnung für Eden?“ Solche Sequenzen waren eingebettet in lange, teils spektakuläre Naturszenen (davon später mehr in anderen Videos), aber der schonunglos realistische Ansatz der beiden Filme war zu desillusionierend für das erwartungsfrohe Tierfilmpublikum. Obwohl die Filme mir weltweit über ein Dutzend Preise und Auszeichnungen einbrachten und die internationale Fassung sich gut verkaufte, waren dies meine Filme mit den niedrigsten Einschaltquoten in der ZDF Reihe „Naturzeit“

Ausschnitt aus dem ersten Teil des Nakuru Zweiteilers von 1997: „Nakuru – Schatten über Eden“. Der Nakuru Nationalpark wurde in den Achtziger Jahren zu einem wichtigen Nashornschutzgebiet und der Film greift diese Entwicklung unter vielen anderen Schutzaspekten des Parks auf. Dabei bemühte ich mich, so oft wie möglich die Auswirkungen der Arbeiten auf die Tierwelt durch Blöcke mit interessantem Tierverhalten für den Zuschauer erfahrbar zu machen. Hier ist ein heftiger Kampf zwischen zwei Spitzmaul-Nashornbullen eingefügt. Derartige Kämpfe sind äußerst selten zu beobachten oder gar zu filmen und stellen schon für sich ein Highlight dar. Die beiden Nakuru Filme hatten mehrere derartige Sequenzen, die für die damalige Zeit durchaus interessantes Tierverhalten zeigten, so dass die internationale Version „Nakuru – An Island in Africa“ sich gut international verkaufte.

Ausschnitte aus „Jenseits der Wüste – MARSABIT“, ZDF 1995

Ausschnitt aus „Jenseits der Wüste – MARSABIT“, ZDF 1995. Ich nutzte seinerzeit mit Begeisterung die vielen neuen technischen Möglichkeiten, die im Tierfilm bis dahin eher selten angekommen waren. Allein in dieser Sequenz wird neben dem Supertele mit einer Drohne (damals gab es weltweit nur eine Handvoll Spezialisten dafür), Unterwasserkamera und Compositing gearbeitet. Mir kam es darauf an, dem Zuschauer so oft wie möglich mit den Mitteln des Spielfilms die Welt der tierischen Protagonisten erfahrbar zu machen. Immerhin, der Film wurde sogar von der BBC übernommen.
Besprechung der nächsten Aufnahmen mit der damaligen „Drohne“, Marsabit, Kenia, 1994. Jeff Bell, (Mitte) war ein gefragter Spezialist für „unmögliche“ Aufnahmen, der einen großen Teil der damals stilbildenden Aufnahmen für die teuren John Downer Produktionen für die BBC drehte ( z.B. „Die Supersinne der Tiere“). Es war ein Vergnügen, ihn am Set zu haben, weil er auch ein ganz wunderbarer Mensch ist! (Foto: Werner Feldmann)